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Full text of "Das Freud'sche Ideogenitätsmoment und seine Bedeutung im manisch-depressivem Irresein Kraepelin's"



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>Uniy.™i.,olChicB«Ub^ 



DAS 

PEIID'SCHE IDEO&ENITATSMOMENT 

UND SEBE EEDEÜTUNO 

IM 

MANISCH-DEPRESSIVEM lEEESEIN 
KRAEPELffl'S 

VON 

DR. OTTO GROSS 

DOZEST IN SHftZ 




LEIPZIG 

YEELAO VON F. C. W. VOR EL 

1907 



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O'iqiTalfram 
UNIVERSITVOF CHICAGO 






Ururk von A,i:£!iiA' Prii'R 1n T^I|iki{. 



r.- - ■ ^^ ^ ^n.^ly> Oriqinalfrom 

Dig.lized by ^..OOglC UNIVERSfrVOF CHICAGO 



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Da^ß pathologiBcbe Pbänomerie etwa vom Tjdus der Klepto- 
laanie als etwas besonders Dunkles und Fragliches gelten, hat seinen 
dgentUclien Grund in ihrer spezifisch inhaltlicben TJmgrenEtheit. 
Man hat alle Hilf sttiittel der Forechung eingeaeta:, nm hintei den 
einzelnen inhaltlich hestimmten Symptomen priitnäre Störungen der 
allgemeiien Funktionsprimzipien als solchen svl entdecken — wo 
m&iL pie fand, da 1>Iieb danu die LUc^ke zwischen deT ^agen 
Extensität der konstitutionellen Grundlagen nnd der sehaj'f 
präzisLerteD Prä^iug der patbologiachea Inhalte, Sie bleiben ein 
.Itest, der nicht aufgehen will. — 

Die Vorbedingung für alle und jede wissenschaftliche Psychiatrie 
ist die Erkenntnis der payehophysiDlogischen Identität, die 
monistische WeltanscLanung, Vielleicht nicht Ulfl psychia- 
trischen Forscher, aber alle Frrgchung in der Päychialrie ist not- 
wendig monistiech. Erat die Erkenntnis oder wenigstens die un- 
heTraßte Verarbeitung des Einheitsmonien tes gestattet die 
Synthese des Tatsachenmaterials zu peychiitrischer WiBaehschaft, 
-gestattet die Befreiung von Fehlj^edanken früherer leiten. Aiiein 
die Bewegung von alten Fehlern wef? vollzog sich nach d&ni Gesetz 
der Peidelschwin^ang in die entgegenga setz teil Fehler 
hinein. Man war der ntuen Erkenntnis einen neu ßn Irrtum 
schuldig. !. : .. - '.' 

Seitdem man erkannt hat, daß alle psycbischefi Stdmngeh Ver- 
änderungen im Gehirne siud — seitdem ist die ErkenntBi« iin- 
merklicb in die Voraueaetzuhg üb ergesga^ugea, als job die Grundlage 
jeder Gei&teskrankheit- ein pathologisches Gesehehen, eßiti müßte, 
„■von dem das Gehirr gena'u nach demselben Prinzip und ifenau 
mit demselben Effekt getroffen ^ürde wie jedes aadere er- 
krankende Organ; In Wirklichkeit trifft dies nur für eine 
gana h&atimmte K^ategorie von Geisteskrankheiten ku; -vir 
wollen diese — ohne Bücksicht auf das Vorhandensein oder Fehlen 
Ton atifzeigbaren, von anatomischen Veränderungent — als 
prinzipiell organische bezeichnen. Bei diesen ist der Parallelis- 
mns mit den Erkrankungen anderer Organe als des Gehirnes^ Bin 



Soogle 



Criginal fronr 

UNIVEFSIT^OF CHICAGO 



— 2 ^- 

gatix gftnflner: ■wie j^dfif; andere Organ, so reagiert au<^li das 
GeMin auf die VeiändemiigeD seiner Struktur, s eines Chemis- 
mus, seiner Korrelationen mit Veränderungen seiner physio- 
logiscli^n PunktioBj d. b, OiSO mit formalen Veränderujagen im 
Ablauf dfif psjcliiacheri Prozesse, iu der psjchisclien [UätigkeiU^) 
J}al! prinzipel! organisclie Momente sich in primären iSt<:rungen 

4er pEj'chiEchen Tätigkeit ÜuGern mÜEBen — das ißt ein pbj- 
siolftgiscbes Aiiom, das in jeder paychiatriachen tJberlegung als 
etwas infititiktiv Erkanntes mitvirkt and sich sofort als Zweifel und 
Frage äußcm muG. wenn i]*gcnd^o cinmcil eindeutig pri:iiärä 
Anamaiien des {tsjchi^ehen Inhalts zur Geltung kDmmen. Dann 
aber verrät nsinh Aa.R letzthin t.'n?.nliinglinhft einpir pRychin.triücheTV 
Anadiaunngeart, die a,usacbliefllioh solcho Yergndemngen des 
(jehimes voraussetzen will, wie sie den allgemeinen und für 
ftlle Organa gültigen Prinzipien der allgemeinen Pathologie «nt- 
spreüh^nd sind. 

Aue diesem Chaoa ungelBeter Fragen und unareklärter Versuche 
ragt W ernick es S ejuuktionslehr^ ab ühörgei^aJtig&r Bau her- 
vor, der unvollendet stehen g&Miebeti ist und der aus aich allein 
heraus auch unvollendhar gewesen wäre, dessen Grundlagen 
aber für alle weitete Arbeit auf diesem ganzen Gebiet die Ba,siä 
sind und bleiben weidea. — 

Die Sejnnktion^lehr© Wernickes bedßntet die bleibende 
Eikeuntnis, daß die iiniaittelbaxe OinndUge apezifiscit in- 
haltlicher pathölogiecber TliänomeTie in einer ytöruEg der 
assoziatiiren Verknüpfung:, iw einer Leilungsbekjnderung 
in den Aeeoziationshahnen zu suchen ist. — 

Die Sejunktiflnekhre Wernickee erreicht ihren Höhepunkt 
in &cincx XcnHepticm dor flüb^rw^rtigen Ideen**, in der «r die 
Erkenntnis aussprichtj daß die inhaltliche Unvereinbarkeit eines 
a(Tftkr.}>f*tcjnt*in inh/iltlifthftn Kilinplfivea mit dem indi vil^niell 
dominierenden „BeTrußtseinainhAlf* — daß dtr mit einer aolchen 
inhaltlichen Unvereinbarkeit gegebene aeelisehe Konflikt aa 
8ejunktionspiozGS*ein filbren muß — infolgedessen mißh su 
einer pathologischen Uberbetönung bestimmter inliÄltliol um- 



W* miete. — £b hi J eider it-.cht muhr xnZglitfh, günna üo Wort*! baiaut*- 
biiltjijn, dit der BügiiiiLslifr j«i.t)i IttruriHlJek^lj unsutleLrllcteu Unteisclieiiiimg selber 
p^'w^iilt bat. i'üc oüB ist psyctiscLes tieeth^ben ein ^e^entlicli iseiterer 
Eepciff K.ls „B**aäetE«i.ii" geftordeii. — Hier soll an Stelle der Boaeitlmuiigön 
Wemitkes voti psychieeher T&tifleit und psychiächeui Inhnlt ge- 

#]ir$i!lt«u -Werden. 



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— 3 - 

grenzte Kumpleie. — Su wiu sie liier in ibreu wKätjulliclmu Ziigea 
beraüHgeatellL wurden ihU uitifalit die Lelre WerniclicB Ton den 
übeiwertigeu Idetjii das Blelbtiiide, das, was die Forechung in 
ungealitit^m Au^iual!^ bestätigt und im Kausalzusamiuenhang er- 
klärt hat. Alldii da^u Itedurfte es der ErschlieEung eines un- 
be kann Leu GebieLeti in der PöjcLdjjhjsiologie, dei' ScL&fiung jener 
neuen pfejctologiBchen Mechanik durch S, Fretid — 

Die ideofieueti Proaesee der „Verdrängung" und des „Aus- 
drucks Jurch ein Sjmbol', so -w-i« sie durch die parchoanalj^- 
tische UnUreiichung Pieude entdeckt irurden, entlüllen nunmebr 
die ge&chloEGene kausale Hei he Yom palhogenen psychieclieii Kon- 
flikt £uin Sejm^ktionamouieiii und zum inbaltlicb cbaTakteri- 
sierien patkologi sehen Phänomen. Mit diesen Entdeckungen Pt eu d s 
ist eine neue Eategorie des pSTchopatbölogiachen GresotiehenB er- 
schlossen, mit 'welcher den prinzipiell organiscken Störungen 
der psychischen Tätigkeit ein spezifisch funktioneller Typn^ 
von Srkranlcungen zur Seit« gestellt wird, bei d^ncn primäre 
pathologische Inhalte dur«h jeue funktionellen Yorgänge gt- 
sohafTßn werden, durch die überhaupt die Bildung d^ir psychi- 
schen Inhalte zuetafide kommtv — Es iat die spezifisch horaus- 
diffcreazierte Qualität der ZentralnerTensjatema, durch seine 
FurLktionsiohltontinuierlich nndgcactzmäßig au verändern. 
Doe Krgcbnia dicaör spcsifi sehen Veränderung sind die pajchi- 
8ch«n Inhalte mit ihren gcgenBeitigen Verbindungen und Se- 
aiehungen; durch diese ^pcsi fische funktionsgcmäße Yor- 
ändorung kj>niicn nnior besonderen ungiinetigen Bading- 
ungön auch pathologisehB Inhalte zustande kommen. — iJit 
dieser ne^uea Erkenntnis ist jener stillschweigend wirkende Irrtum 
beseitigt, d^G allen psychiat^hen Erkrankungen solehe Ver* 
änderungen des Gehirns zugrunde liof^en, die naeh d^n^elben 
Gesetzen und in derselbgn Art entstehen und wirken vri^ all« 
anderen pathologiech^u Prazeaae an allen anderen Organen. 
Wir wiäsen jetaii, daß daß G*him durch seine besondere 
speaifische Differenaierun^, durch die besondere Eig'en- 
tümlichkeit seiner spezifisehän Funktion auch pathelogisch 
noch eine andere Boll« spielt als eben alle «meieren Or^arie. 
Und diese besondere Qualität dss Gehirnes verlangt, dali vir 
die pB/ehopatkologischeiiProaesj© in awei getrennte El ate^orien 
tjRÜ^n. Die «inen Krantheitatypen folgen den allgemein an Gft- 
);etK«n der Patlologie, das sind die prinzipiell organischen 
lürkTankiin^BF , di«" primär foriTifl.l*in S'öningea d^r pRyrhischftn 
Tätigkeit; die anderen Krankh ei ti^tjpen erwirbt das Gehirn dnrnh 

1* 



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Beine FuQktion und gemäü st? in er Fuiil^tiOD^ d&s sind dia 
prinzip 1(^11 funktionellen Erkrankungen, di^ ^^limfir inhft.lt- 
liciien patliologtschcn Pbänomene. -^ 

llit der JJIöglicliteit dieser Trennung ist eine der ältesten 
Scb'wierigVeitflii im psych iatriachfir Denken beseitigt. DftB äH© 
prinzipiell organischen Störungen - — Ich meine damit »lle^ 
bei denen das Gehim als ein Orf;an wie alle anderen in if'm^e 
kommt, obne Baizi^bung su seiner ed^^ntümlicben Bpezifiaelien 
FuiikliüJi! — daß alle diese priiizifiiell organisi;heii Störuugeu 
sich iü primären formalen Änderungen der psychiaclien Tätig- 
keit äuGern muB»«n, da« ist dinelogie<:ke Selbstver^tändlielikeit. 
Wir haben jetzt dazu^elermi, daß die speBifiacli zerebrale 
Funktion der continuierliclien Selbstreränderung, dnrcli die 
der individueUo pey4!hteoh<i Ii^hült gebildet wird, unter be- 
sonderen ungüiistigen Bedingiing^n funktionsgflm&ß auch 
primäre pathologische Inhalte hüden kam. Den prinzipiell 
funlition eilen KrankhcitsioTmen entsprechen eben die inhfililich 
umgrenztem pathologiscbeti Phänomene. — 

Ich pflfigfl flin Vfirbültnissa Ap.v ideogenen Sejnnlftion in 
der Yorlasung dEidurcb veratändlich bu machen, d&ß ich die pliyaio- 
iDgiBühen Esperlmentalergebniase T^edelskjs zur Analogie heran- 
xiehfL Wedelskj hat am NerTnuiRtftlpräpiirat narhgflwiHBRTi, daß 
die Reizleitung in der Nerretifaaer' bei einer gesteigerten 
Anhäufung von Leitungereizen in Leitnngtjhemmung um- 
schlägt. Versiielit man dififie Rftsiiltate fiuf psyt-hiichee" Gi?- 
achelien £U übertragen und mit. den Ergebniss&n Freuds KUBammen- 
zustellen, so scheint es die gesteigerte Entlijinding nervöser 
Erißi^^e dnrch A ffekte kii aeiTi, fJiirdh welche unter gewiseen Um- 
«Landen ein Umschlagen der asaözifltiren Leitung in ^iiie 
Hemmung der Assoziation zustande itommt. Dann iräre diese 
H^v-mung oder Sperrung d*r i^eaentlicfa« Vorging bfei der von 
aUektbe tonten inhaltlichen Xonipieiieii hervür^enifeüeii ideo- 
genen Hejtnkjion. — 

Ee scheint mir &in Vorteil dieser DarBtellüngs'weiflei, daß sie 
zugleich in mügiit^höl eliifachei "Weise mit dem Moment der an- 
geborenen Disposition rermitfelt. Das ümachlagen der 
üBEOsiativen Lt^itung in SanmiuDg ist dners^ita vom Grrad d^r 
Keizanh&ufung a,b hängig, andererseits aber auch gewiß toh der 
individuellen Diapoeition, so daß dej* Sch'welleTL wert für das 
Eintreten der Sparrung nach individuellen und path*- 
logiethen Yertältnissen Tariabel vfäue, "Es. muß eine patho- 
logische Konstitution geben, bei der die Schwellfi flir das Ein- 



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— b — 

treten ^er Associatiombemmun^ besonders tief liegt: dae wäre: 
gf^nem idetitiach mit dar „E^recböpfniDgB anläge** Stadelmanns. 
Bei einer aolchen Digpcsitiou vürden abnorm geringe Affeltt- 
<HiantitäteD Weite genügen, die ideogene Sejnnktion h erbeiz u- 
flllircn, und 4ololic Individuen v^ürcn gegen Jic ffttliogcnc TP^irkung 
pay&liiacher Traumen besonders venig resiätent. Es li«Iie eich 
eine kontiLuieriiche Reihe bilden toh der aussckli« Blick 
c siegelten £rjira.iikui]g doa kcnstitutionetl Nortu Eilen an den 
Stärksten psych iacneu Traumen Ms zn den höcfastem öradien der 
^ßraahl^pftingaaEilngß*', bei denen dfir ErkrftT]kungSTnftpliÄ.niflniiifl 
qualitativ genau deraelbe wäre, bei denen aber die angeborene 
Disposition als die entscheidende Krankkeltsursache be- 
zeichnet werden miiUe, — 

Da» wesentlichste Moment des ideogenen Proaesse« nach Fr e ud 
— der Vorgani? der .,Terirän^nng'' — ist wohl am richtigsten als 
Sejunktionsprozeß zu verstehen, Di© Verdrängung ist die 
Polge eiueet inneren Konfliktee, der Ansdratk i3er TJn^eiein- 
baikeji eines fttfektbetonten Komplex« s mit den individuellen 
Obarakter d«s ganzen übrigen pejchisckexi Inhetltes, Ea scbeimt niir 
lichtig sich Toi'zn&tellen, daß die Tom affektl^cQ Moment bedingte 
zirktiEiakriple Anhäufung nervöser JJrergle im pathogenen 
Komplex zur Speirung jener Assoziation e^n führt, welche gefade 
diesen XumplKi udt di*u ührlgen u^ij^chiäuheu luhalleii vefbiudeu. 
Durch diese sejunktive Sperrung wird der Komplex aus dem Hpiel 
der aeeoaiaüvett Tätigkeit ausgeschalt ai Dann ist die Reproduktion 
eines beetira raten psychi sehen Inhaltes unmüglich geworden und ein 
heatifflmteä inhaltlich umgrenates Gebiet verfallt der Amnesie.^) 

\Es bat eich dlih durah dia empirischen TJnteirsuchiingeiL 
Freuds mit voller Sicherheit herausgestellt, daC diese verdrängten 
„be wußte frinsiinfah igen" Komplexe außerhalb des Bewußtseina 
d, b. fiultorhaD:< der lobkoatinuitüt^) eine acbr JKteisiTo Ba- 
täti^ng mit nichtigen patbogenen Einmrkun^en ^uf das bewußte 
(reschehen entfalten. — Ich glaabe, da^ die unbewußte Wirk- 
samkeit deev^idrängtcn itatcriaia mit jenem Vorgang zilaammcn- 
hängt, den ich tls Sekundärt'unktion beschrieben tahe. ^J Nach 



£j Verf,| „Obeii Bewu6s1i3ieiniae(rfsll'', IiCoinat9«clir. füi'lieurol. iiad ?e7chiatrie, 
l!Kk. — 

3) Dlft zerebrale SäkiiiiäÄrfciiktion, Lfiipzie 1006. — Meine danialif^en An- 
:gtLhflii mnd Timiftniiiigft toti WifinnFiTiii diirrti eiD Sjy stein von sxperio enteilen 
TJnieire'iacliuu^^n uaxlig'&l^rfift xtnA gfüisbaiiiwla beseitigt 'tFOrd^n. — 



„ . i^ ^n^lyy Oriqinal from 

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meinei' Unterscheitiiiii^ hat jeder Komplex, der Trauer eines ab^ 
^BgF«uat«n pa;clii£<!hen Iub&U& i.&t, ivn Spial d«r ABtoziä.tionen »itke 
^wöiifflülie Rglle: die Pritnärfunlttiünj wekbu d*fr jetksnialigen 
Eeprodul^tion ins Bewußtsein entspricht, uad die Sekundärfunk- 
tion, in welche jeier einzelac K^omples im zeiüicli unmittelbaren 
Anä<!hliiß an seinejedesiü all gePrimärfunktion eintritt uüdin äieaem 
Zustand fsinfiH richtur.ggftberdfin filftMiTftti Fiinäuß auf Haa irftitpTR 
aäs^ziatire Oescteb«n ausübt. Solange ein Komplex in Sekun- 
därfunlctioil Steht, vermittelt er einenZuwachs vonnerTÖKer 
Energie, d. h. von assosiativer AnsprechbfiTkait und At- 
faktbt^tüuiing iLii. die ulH ihm durch gebühnte AsHU^iatiun 
Terbundenen, d.h. inhaltlich v&rwaidten oder Terlinüpften 
Kompleiö, Wir haben nun tut die verdrängten Inhalte aage- 
üQmiDeQ, duii Bie durch Uber^rcße Aohänfung von nerrüser Energie 
der Sejünktion unterliegen, genauer geaagt, daß die Aasoiiaticins- 
epcming gerade mit jenem Kuw^cha von neryöaer Ener^&, d&r 
den Eintritt eines Kompleses in Primärfanktien einleitet, jedeamal 
neu gfiSfihäflFfir wird. Sobald rli^t^er Kiiwar^ba "wiAflftr absrh'willt, 
löst dich auoh jedeamal wieder die assoaiative Sperrung, damit 
aber kommt die Setundärfunktioii diesaelben Komplex&s zu un- 
beschi'änlfter Geltung, und 3war die aller stärkste, an Intensitslt 
und DaLer nutts hüi^hiji,« {rt^Ht^ig^rtt; SHkuiidäiTuuküuu mne:^ 
im höchsten Maß« äffe ktl et outen Kompleses.*) Das heißt, der 
vsrd längte Komplcsi; ist durch daa acjunktiTc Moment gc^radc von der 
Primärfunktion KusgeBChiosaen, er wird aber in deT&elbea Weiäe 
und unter denselben Bedingungen wie j^der andere psychische 
Inhalt in Sekundärfunktion Törsetat, und zwsir in eine, seineiu 
Affektgebalt entäprechende d. h, hescndera intensive und reich- 
haltige Säkundärfunk^tün. Ich halte die» für die phjäio logische 
Grundlage des rieudstheii Gküjelatü, daß die verdrulngUu 
Komplexe ihre ,, Energiebesetzung*', i. h, ihre Affektbe- 
tonung und assoziative Aneppcfibbarkoit auf and<jro be- 
wußte Inhalte übertragen, mit denen sla in irgerdeiner 
assoziativen Verbindung stehen. 

Psychische Inhdto, welche durch irgendwelche gebahnte Abbo- 
ziation, d. h durch eine inhaltliche Ter wand tscliaft cder Yer- 
knüpfung mit rmbewiißb g*word«nßTi pAtbogenen Tnballert in Ver- 
bindung stehen, erhalten demnach von diesen her, d. h, aus dem 
UnhewuEten heränf, einen Zufluß nervöser Energie, d, h. 



1) [nt^DBitliit und Bauer der Sekand&rt'uQttion ate^b^E in ger^idei FrO|OTti<yn 



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einen solchen Zuwachs an Ä£fektbetDiiung und ttsöüziütivtjr A"- 
spreijhbarteittdaßsiediiepatholo^iscb gesteigerte Bedetitung 

fiii das bowuÜic paj'chieohe Geauhühcn, öinc patTtoLogiecii^i ÜTiei-- 
vertigleit erlangen. Der pathogene Komples; üb&rträgt 
fiflin« «£Z(!fläi7e Bedeutung auf einen auleru, mit; dem er 
in einer inhaUlichen Yerbindimg ateht,, d. h. er Endet seinen. 
Symptom atistjhen A^usdrack durch ein „Symbol".'} 

A!a ein solnlieä Symbol filr einen Terdriing+.en Komplex hi 
jedes primär ichaltlicbe patliologiäche Phänomen Ton vorniierein 
ZU betrachten und seine Genese m jenen prinzipiell funktio- 
u eilen Vorgängen au suchen, durch welche die Eildun^ von psy- 
tliiijchtu Xulmtlluii ill^urhau^l uuälandd komu^it. — 

Gerade die Ideogenitätalehre Freudä ist der subtilste Aus- 
druck der nionietieohen Psychologie- Der Irrtum, den ich im An- 
feug als eine Nebönwirlning dei mü^ii^tii^chmi EHtewutuia lte;tftt:liut!t 
habe^ Yergchwind^t, wenn wir die monistiachett Notw^endigkeiten in 
jeder Hichtung^ zu Ende, denken. Die PoBtnlate d&a "Monismus uia- 
fas&en nicht nur die Erkenntnis, daß eine prinzipiell organiscte Ver- 
änderung der Gehirn fiitiktion ihren psychischen Ausdruck iinden muß, 
$ondeTn auch eben Bo die ^insiobt, daß iibeTha,upt j°^de£ psychisch« 
Geschehen zugleich ein physiologischer Vorgang ist Gerail«; 
Äuä dieser notwendigsten Konsequenz der luonistischfin Erkenntnis 
ergibt gioh die Rchöbiliticrung einer psychiBchen Atiologla^. — 

Ich glaube, daß die L&hre Freuds nur wen ig Widerstand finden 
würde, so weit sie die nnmittelbsiren Wirkungen d^s psychischen 
Traumas, d, k, d^a pathogenen XoDilikts umfaßt. Auf di^geiu 
Gebiete begegnet sie sich im denkl>ar günstigäten Yerhälttiis mit 
dflr Sftjunktirnsflftlire Wfirnickefi, mir. den physiologischen 
E«aultateii Wedels kys, mit den psychologischen Konaoqucuzcti 
des Müll er 'sehen Gesetzes im Sinne der Difcpositionslel^ire Stadel- 
manna — ^ich darf TielMcht nooli hinicnfiigen, rait Tneinfir, durch 
di« eiperimentellen Untersuchungen Ton WiermBun nunmehr 
jjestütaten Tbeorie der Sekundär funktion. Vor allem anderen 
erscheint die Segnxiktiondehre Wernickes wie eine Voran ü- 
bt^üläÜguug der Entdeckungen Freiid& über die patkogtne Wirk- 
samkeit der pBjchischen Konflikte.^] 

1) Ke „iberwertigo läoii" iro. Simiic WüPHiotoB ist also j^TreH?- michi 
identisch mit iä'n ifatbygi}ii«u,Kuiuiil«4j *i>(;Jn"n ireitHlt aieh zu Skci als aeiu 

Symbol! 

2) "Vgl. Albreclit, I>iie i>a7cliis[:h3ü Uraackender Meianchoiie, Momatsachr, 
i. NeuroL nud Pey&ht 1900. 

3} TJaffl ASAAntinlln Mnmftnt in di^r UrSf/iheBlelire Freud« ist der iigyclische 



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- s ^ 

Dae wirblich Hindei'nde te im Eindringen in dieLebre Freuds 
ist A\f. taliHAclilicIi hed*Titentle Denkscbmeriglteit der Freud* scten 
Grundsätze vo^n der Dauer dei^ p&jobotraumati^oli-eii I^IechäDiameu, 
von der imve ränderten PeTBistenz verdrängter Affektmo- 
flflänte. — Ich glaube üiir an dieser Stelle einen Tseat auäloLendett 
Gedankengang gestatten zu dlUifen, da juir eine VeiiuiLtJuug mit 
diesem i^roblem nur durch aliffemein biologische Analogien 
möglicli eraclieint 

Die |jiitli<>^ntj Dauerwirkung der (jü^cLIhl^Lku Txhuiuko, d, li. 
die pathologischen R«sidTLen der schädlich konstellieiten Af- 
fekte sind o^^nhar Derivate d«r allgemeinen biologischen 
Duuerwirknng der Affekte Üburhaupt. Eju Sinn« einer bio- 
logiscLeü Auffassung dei ideogenen Proz es &e möchte ich die An- 
nahme postulieren : di« patkologiscbe Dauerwirkung patbo- 
gener Affektkonstellationen ks,na nur als ein modifiziertes 
biologischem Geschehen Terstanden werden, d. h. als eine 
HnBwecJtmäUige M.oäifikation einer öUgomeincn biologi- 
schen Dauerwirkung der affektiven Erlebniäse. 

Ich will damit sagen: die pathologische Dauerwirkung eities 
patliogeaen dffektivon £!rlsbuiBGes kann nur dann bcgrcifhoh Tver- 
den, weDu wir sie als Modifikation einer biologischen, sum bio- 



K nf 1 i kt iiberbaupt und nicLt das e txu el le Moment ata solches, vis m^isteas an- 
gredODua^Q wird. Vor kurzem hat dieser w^itverbieitete Irrtum durcii die glänzende 
DaFRtelluDg von C. Jung liMünci. med. Woilieiisclii'. 190fi) eine krflftijR Knr- 
r«ktiir «rfolir^u. — ' Di«' i(>^u^lle ÄtiolGgi^ idt voljkottitii«!! unaltli^Ti pi^ 70:1 
allen prinzipieller. IfoiaentcD d^r Ideog^dät^t^loliTo Frcuda^ ücis'b aufsclilieC- 
IJtii litiu ]Jrgubult( ki;,tjiJieliHrLej: Euipiriun — JcU Viv <*iji lutfiu« «rulttu pruktiüi^iien 
Vetaucäe mit der AtettiDde Freuäs mit dei f«Bten Ei'WEurtnug htraugetreteii, laä 
iii^i die Gültigkeit aeiner A^g^lieti ubbt die dominierende Bedeütuig ger^le 
der seituellen Konfilktgiaoraeüte ^i- auf ein saus besoäd^rta und ^ug uoagrenztes 
KraTikfDoaLeriaL tieacliratikt erweisäti inü£te; \cb bat:« aber d^nn di« An^nh^ia 
Fteuds *!i äll&n meinen «'igien^n F&llen tt^iitätigt g«{vind«n. leh ftrwBJiäa 
hier ala K^urioBvm ä-acn P&U ron „t-aumatifichcr ÜTöterlo", deren &jiiipt<iiiie 
hIh doutliiJi ki'ttulbAft«» ZusbHndsltJId iluiuli eiutiji SlilKachlHg uiutiifeiti gi}- 
tiijhclit vollen Taren und die slck dabei als ideoger p reformiert auf einen 
typiatb^n »e^iuälLedKciuiplei zuiück fähren ließer. — llssi^t aiicli leiLt* nocb 
meii;e überzenffjn^, ddl die S-tiologiscbe EoUe gerade der sexueller. Konflikte 
ftin Prodnkt: Afm Uilißiifl ist, flin Ausdrurk dnr ZRitvArhlltniflun und ihrpr 
RüolrwirLuAg auf den Evaz^li'.fljii, Die alte Literatur «nUi^t dbe 9wtg;j IlQuktual 
der iaicl:t-«4j£'j.«llen Koüäiktsapa^choa» aus Lind'Srejn Zeikeit; Di« PE^fctosfr 
&ftulp in den herrlichen „IJUcUtirr Samu«!". ~ 

In Ictiter Keit finde inh in der neuen Literatm- noeb ein zweileB Beispiel^ 
cliifl :n htcbEt charakt*risti»cliei WerisegleicbfBUeesäentid) andere VerV.iUtniBBe 
Eur VoraistebfUQg bat: Di« Entfitebuns von Erieisp&jchos^Ti Tisch L. An- 
fir^ji*!?' („Dfl.ä rol;e Lflftlwri'*J. 



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lo^schen TreBendle& affettiTen Erlebnisses übetbaupt 
gehörigen Dauieiwirinng verstehen^ d li, wenn wir hinter den 
patlologiaclieD unij Dermalen Wirkuugeji des alTeltlivtJu Erleb- 
nisses tiberiaaupt eme allgemeine, an der biolojpEchen JndiTiduai- 
gest&ltung g^atiimMig miivriTk^ndti biologisclie But;kticiu <3e^ 
Affekte aii aii^h. um Werke tit^lieu, I(;b glaube, dtiG eine solche 
tatsächäch lesteht, daß den Af feiten die zweifache regn- 
. lätoriscb.« Bedäutuh:g eitler motaenliaEen und einer dauaTn- 
den Anpassung^ der biologiBchan Eeaktionen äes Itidivjdaums 
^ukonmit — Icli mochte dies ciäher erklären, so sehr ich mir auch 
bewuüt bin, daß eoloti« Übersicliton kati™ anderes bringcm können 
als Hypothesen, Bilder ind AnalogleD. — 

Um di& Affekte als Begulationsfakloren verstürdlicli zn 
ma-chen, müssen wir auf die prinaipielle BedeutTmg deg regula- 
tiven Gesohehene überbaupt zurückgreifen. Ich erinnere zunäciet 
an jenen fiigentümlictiRTi Tfomplex gfsni Raster FnrHclmrarbeiJt umi 
s^dtsaju plia,iitasttacher Interpretation, mit dem H. Dri^soli den 
Bog. Yitalisiiitt& repräsentiert. Es wird zunächst das Eine Teratänd- 
lieh: um hier fln Stelle der dBuknnm(>glieheri letzten Folgerungem^ 
zu denen der Vitalismug gelangt, ein fruchtbarem beari6tisc>ie& 
Prinzip zu gewinnen, muß eine andere Fragestellung als die 
des Autors gefunden Wf^rden, — Was Tvohl als gesickertes Resultat 
der Forschungen Diiesch'a betiaclitet "fferden dairf, das ist eine 
weitgehend« Ü herein st immune der physiologischen Kegulationen, 
d, li, apezi«Il der anüerordentliciien phyäiolojischen An- 
piiijüiiLgsre^ktioumi ujlL meiitii^hlichtju Zweckhandlungmi, d. h. 
mit Psychologie che u An paEsungsreaktio neu. Ich glaube nan, 
hier iet nur eine einzige Pclgerung Bulä^ßig: sämtli<!heti vor- 
ko mm enden Anpassun^BrEaktionen, den morphologischen und 
den psychologischen, denre€ektorischennDd denvoLlbewiiBten, 9 ämt- 
lich cn müssen gemoineame phj" Biologie che G-rnndprinaipiaji 
zugrunde liegen, dje wir nicht kennen und die zn erklären, d. !i. 
restloB in Xansalität zu lösen die Wissemschafts aufgäbe sein 
mui!, D^3 h«i£t nooh im besonderen: ca dtxrf nicht ausnahms- 
weise, gerade in d läse r Jrage, aus den allerkompliziertestea 
von allen Anpafmingsreaktiftren, den inenschlieh- zerebralen Lei- 
stungen auf die einfachen geächlasBen, nicht di« beeonderenr 
spe^iäsch feinsten Qualitäten der hQCkstdi ff er eQ zierten Anpaäsungs- 
reattioji^n („BewnEtheif^) ancb in riip ftlfinnflntjiTRr hineinTfiTle^ 
Tverden — sondern umgekehrt, hinter den komplizi«rteateiL 
psychischen KeguLationen masBen gerade dieselben phy- 
siologischen Prinzipien gesutht werden, die bei den priTni- 



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^ La — 

tiveren mürphoUgisclienBwguIütiuiniu lieutliclier he^-vor- 
tret&n und die gerade bei den eleitientarsteii AnpaesiJiiigs- 
rcalitionüii doct jedenfalle noch am ersten Terstoöden 
werden könnten. — 

Ich sehB eiuen gemein&amen rjpus in jedei Beaktion eines 
je d«n Organismus a^uf einen aiiß>:irordcntlichcii Heiz> Und dieser 
TypiiS äußert sich in seineu wesentlichea gemeinsamen ZUgan 
tihenRft bei der somatischen K^gf^ner^tion eint^ä ^erfitümnicli^n 
niederen Tieres — 30 wie una diese VerhältniBse s^ B, bei den 
liahnbreehendeu Yersuchen van Urieach besonders dwUlicb vor 
Allgen treten! — ah bei der KeaWiion einas Menscihen unter einem 
«stremen Affekt, — , ' . 

Die Bealttianen der Oris^-nisöieii auf den au li er ordentlichen 
Äeiz bedeuten insofern etvas Besonderes ^nd in sieh Zusaiiuüen- 
gtibüriges, als uie die LebetiäTorgäuge unter h a lo Leu Verb ^tuiaaelu 
nmfflssen, an welche eine Anpassung noch nicht resp. um &o 
weniger, vorhandeia ist, je inUerordentliclier di© Reiz» eind, voia 
welcti^ii d*>r Org;i]LiNinu8 getroffen irird. Mit anderen TV'urten; es ist 
das gemeinsam Charakteristische für alle Reaktionen auf außer- 
ordentliche Heize, daß eine neue Anpassung geschaffen 
^vird^ Du« SuLitiLtjhmi nhiBr tmatiu ^w et^kmüi^igkeit k^nu nur 
das Resultat eines Vorgänge & sein, der aich iiE^ndme ala aycov^ 
als E^iraliiät ron vielen uod vielf ach su Möglichkeiten daistelltt 
un^er den^n die Zwel^kmäßigkeit den letzthin llberd&uen^den 
Einzelfall bedeutet. Der typische Verlauf eines solcken Yor- 
gfingß läßt aioh am besten ois cinö Seihen folge stehender Phasen 
darstellen, deren biologisclie Gmndbedeutnng den Ausdruck eines 
gemeinsamen elementaren Prinzips su geben echeint: 

1. Durch den außer ordentlichen Reis, d, h. durcli die aiiiler- 
ordentlicbe Yerändetung des biologischen oder physiologischen 
^Zii^tardR wird ilfsr gflaa.mtp, Organisraiiji öfter wenigst.ftrj! ilfls gft- 
eaaita Tom Reiz getroffene 8[yeteingebiet in eeinen Punktions Ter- 
haJtniesen umgestimmte Das Gleich ^eiFi cht der Korrelationen 
i*t umgestoiäen, der Rhythmus des vitalen Geachehens wird .auf- 
gehalten, Der Or^aniamuB ist in seiner Gesamtheit Ton der neuen 
Situation hcherrscht und unterließt der allgemeinen Hemmung 
aller Sanktionen: — 

2. Mit dem Wegfall de& korrelatlreu GHeickgevichts eiliacht 
das (iebundenaein der eiizelneTi organischen Elemente sin be- 
stimmte Einz^lfunktionenJ) Die Memente nähern sich mehr oder 

L) Ie einer f^flnialen Arbeit von uaabsflhbareir Tnmweita hat Fischer 
(Müathener Mßdia. WochenMilir., 1906), d&n experiaieritelleii Nachweis gefUhrt^ 



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— 11 — 

minder dem embiTOiial^n Zustand mit seinen unbegrenzten Mo? lich- 
kcitcB strokturcHcr und facktiüncll^r Ent'wickliu)^^) X)ie Arbeits- 
teilnng, die apezifiache Differenzierung aller einzelnen Elemente 
und FulLktionf^i so wir Kie: im Gkichg(>^'ic!htäKUNtami fliirnh dic^ 
Korrela^tioasreiza kontinuierlich reguliert nnid aufrecLt erkalten 
wird, raackt nunmehr einer Variabilität aller Einielelemente 
und jEinzelftinktionen Platz^ die aufi d$m normsilen 2#itstfta<i streng«!' 
Ordnung und Teilmag nmuuelr ium a^ar übergebs. In diesem 
äytaif aber mtili sich notTTBndig ein Yerhältnis der un gleichen 
Ckancen g«ltaiid macben. Alle Fanktionstypon, die Qin«m ärchi- 
tefctaniachen und funitionellen Gleichgewichtszustand entgegen- 
stehn, d, k alle unergiebigen Funktionstypen müsaen in ähn- 
lictcT Woiac wirken wie der primäre' außerordentliche "Riiiz^ d. h. 
sie müssen eine Hemmung herbeiführen und Bich damit gems^er- 
TnAÜlen TOTi i»i»lbi?t wieHer ftufheben; die Fehlversuche dfs? 
OrganisiDus werden durch den IlenmaiiiigaiefleE korrigiert 
und wohl auch maskiert Di« fr^ie Variabilität ist also noch 
ganz mit Kemmungsmomenten verknüpft und durcbse^z^. D*r 
Hemm uugsre fies bleibt ans, sobald au& den freien Taria- 
tionea eine Kombination h^r7orgegangeii ist, die irgendeine 
Möglichkeit Irgendeinss apchitcktoniscben odef ko?- 
relattTen CrleichgeTTictits in sich trägt Der Übergang aus 
der Gleichgewichts atflmng lu irgendeinem (r^ eich gfi wie htB- 
Terhältnis bedeutet aber In sich einen ew eckmäßigen Effekt. 
D. li> in bezTig auf die Bleibe der Ergebniase: aus derFhaae der 
"FfiblvATsu rbß Tind fTemTOungsreflexe bera«* gftlangl dfr 

i^li dio Anfiiebung ie^ brfhitektvniBcben Oilei«ligewithteg die Elrüc-k^ehT äci- 
Gewifljt; lu ilnu tmihryufxalfiu Zustuiiil hcc^tfifUhrt, — IGü IeIi nur uut^'uiidi^;, (I»B 
d$r vom arcMtek'^iii^h&iiCTleii^bsf zwickt de^ t;e«3,nit0]rganignm» auf dae einzelne 
Orgändem&Dt best&nilig einwirkende KcrrulttionBreia d«reli einen aniereii 
elfenso >eitlndis wiik«Dde)i atypischen Beiz: ^ bei Fischers Expcrimenttin 
die Cybemotiuia — fortdauernd UL^rtroffeti vird. Die äiuTU Eilige StSrung 
dxjr Atctitcktur dgrc'a cinföc^o Vc^rlagcrjn^ -^rd duTcb Jon Korrclntianereia 
dee gebiintan Oj^atiiMiuuw «oluit karri^fiurL B0I iüi: fort* llii'eui an- 
d^i]ernd«n, dsia ai-ehiti^ktoTiiactieii Oleiebgewicht entgegengcricbtet^n 'Siu- 
Wirkung entecheidM das GrQßeDvatliäl^ni« z-n-ifchi^n den XorrelaticnBreixen 
und i«m Eeis d$r Chemo tiix it. — 

1) Einen A^v DchTSnuUr^ E j^pmirente TOft I>r)flee"h e»igfili*; fnhlgaudtn 
Tyjms-j In dlötn. 'cer^tümiiieltjn KBipfli- goTrisger L»rT6nförni9ii T&rwiaieln 
«et 4ilmtlii>h'e Eelli^n Rleitente in die jfleiolie Tollkommen iindiä'ei'fltniicrbe 
Fona des fiüheBteTi embrjoiiEileT] Zu&tand^^ d. h. <Irs ^ei-^tiimnielt^ rndividuiiiu 
T«r\raadBilt sich in BtineL' Gescimtheit in diisn undift'Bvenaieirteii ZeJlhaufrn 
und nimmf; von der $Tiisprecliandeii embryonalen Phase alh die (iff.nse Entwicklung 
wiieder auf. — 



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~ 12 — 

Organ ism HR untf^r Lösiing Af.r Hfimmung ku ftinftr ^^i)««n 
Zweckmäßigkeit, — 

Z, t^obald von allen Vanationsmäglichkeiteu allein diegieioh- 
g^iricbifigemälße ^hrig geblieben iat, beginnen die ärcbitektoni- 
schön und korrelatiTeii Gleiohgewiohtsreize wieder in Kraft zu 
tre^eTi rniA mit, ihnfin Aie. Rpftzifisftbe DifffirfttiziBriiiig Ap.t Stnithiren 
naä Punktionen, Und dieae WiedereindäminuTig aller Funktioiis- 
tYpen in die GtenzBn der spezifiscJien Ditierenziemng bedeutet 
eine ErsparniB, ein Preiwerden von vitaler Kraft und damit 
eine Ablösung der Hemmungsmoiiiente durch eioe allgeingine 
Steigerung utiH BeüftblpiinigHiig des gesamten vitalen 
Gesdlieheiis. ■ — 

4. Das leizte Ee&Tiltat i&t immer eine reue tHeichgewicMs- 
lag© - ftacU TPcnn z- B. bei der einfaobcn EcgenerÄtioti awßr die 
alte biologiectie Situation, aber auf einer neuen getetischenGiniiidlugft 
geEctaffen wird. — Äugfleich mit der neiiön Stabilisierung ist 
aucli die Konzentration des Gesaunt orgaiii am us auf den Hais 

und die Rmwirkung aufgehoben. Das Puuktionsgebiet, das vom 
auÜcrordciitlichön Ecia getroffen war, irird wiodcr naoh den fllb 
gemeinen biolo^ sehen Gesetzen mit dem Minimum YOn Energien, 
d, h. mii \rinfmfl.1bftt.pilignTig d^a fTesam+nTganismiis bfttrieben: nift 
iiea^rworbeiie impassiing lediziert ^ich nach daa allge- 
meinen Prinzipien der biologiachen Ökonomie auf stabile 
Struktur und Btabile Rhythmik der PunkviDn. - 

Haben wir nunmehr slU diejenigen Mgmenta b«3onderG heraus^ 
die si<?h auf den Effekt, speziell stuf dfln Effekt der individuellen 
AiipäüäUiig btuiebe:!, ao kiJuneu wii' die Ijpischeu PLsiäeii noch 
etwas eiafach^r und markanter darstellen: 

b Der außer ordentliche Rsia aer&tort das orgaui&elie Gleich- 
gewiebt und beaeitigt damit die Emscbränknng der eini einen 
arganiächen Elemente auf bestiinnite apeziäscha Qualitäten und 
f uuktjuufiu. — Der fieiguvvurdöneu innertn Variätbilität tritt 
Hemmung als reaktiver Antagonismas entgegen; die Ham.mung: 
ej&iicrt die liiologiscWi Gesatntfiinktionen des Organiemus, bovirkt 
eine Art Konzentration aller vitalen Energien auf den ges eisten 

Eeiz lind schafft ein selektives Moment über der Eivalität der 
freien Variationen, Das hiolo^i&che Geschehen steht unter den 
antagonistischen Kräftan dar Heianniin^ und dar freien 
Tereuohc. 

2. Sobald eine Kombination zur Geltung kommt, durch welche 
der Orgäni&muB eln^r nennen arganisehen GUitbgöwichtalage sich 
nähert, gewijjnt gerade diese Koiubiiiatiou durch T7egfall der 



Conolf Original frcm 



- 13 — 

Hemmung areaktion das Übergewicht; d£& neue Gleichgewicht 
schafft eice Ben© differenaiereDd« Eiuachräntuo^ nllcr einzelnen 
Elemente auf be stimmte speziflscbe Qualitäteii and Punttionen; 
mit dieser Einschiänkung '(?^ird eine Bimme vitaler EnflrgipTi 
erspart nnd frei eilt Geltung gebracht Der OrgamBiuiis gela-o^t 
unter Aufhöhung iind Beachl«uniguug aller yitralen 
PirnktlABen &Xl Einer neu^n 2^ec]cini.Qigk9Lt- — 

S, Der nengescliafeiie Funktionstypus wird von der Mit- 
hetßiligniLg des [resamtiirgaTiiRTiniiH iriÄTimfll nnabhängig^, 
d. k, er g&langt zur maximal an Avitoaom'ie. — 

DiB B&aktion anf den aulierordentlicheu Eeiz bleibt stets die- 
selbe; sei ea 6.&\i si« dtn ^sinzen Or|^aniamu3 timfAßt oder «in äin- 
zeliieä, '£\ir Kutntihmv und Reaküvu für bestimmte ReizqualltÜt^n 
besonders differemiflrteg bestimmtes System. Als typischer Einzel- 
fall der Beaktion auf den ftußorordcailiicliGii R*ia eracheiat daa 
psycfciecbe Geschehen im Affekt. ^ 

Wir kommen damit zu den Affettenala Ee^nlattfinflfaWtorftn 
'zurück. -.- Wir haben gcaagj, daü diese Eed^utung der Affekte 
^me zweifacTie ist. Die Momentan i-e^lierende i^unktion ist 
«obl die GriiTi H he rientüng allen* emotionellen V<>rgänge: eie bewirken 
die TjiDHtellxitig^ des XndiTidnuma auf mne bebtimmle Kategorie von 
EeflJctioneii und schaffen damit eilte Anpßssuni* andienaomfentane 
Situation. Ich habe diese re^lati^e Bedeutung der Affakte in 
intiinur „SekcindBjfuöktion" besprochBu; es handelt sich dabei um 
«ine präformierle Anpassungsleistung', die fiir uns hier nicht in 
BeiJÄcht kommi;. Wenn wir hier von Affekten') eprcehcn, so 
sind solche gemeint, die den Oharakter von Eeaktionen auf 
außerordentliche Rfiise tragen, <]. h. auf SitnatiriTieii, in denen 
eine n«ae Anpaeeong des biolo^schen V erhalten & «r»t gefunden 
"werden muß. In die^aen Affekten geschieht die Schaffung 
filier ^neuen Anpassung in d^n allgemein typischen Pha^een: 

1, Hemmung zugleich mit Entbindung freierMöglich- 
Tceiten. Das payehiRcliR Gftscliehfin yfird du ich die Hemmung in 
Beinen ge-nöhnlithen FunMion^n »istiert und auf den gesetzten 
Eeiz konzentriert; den freigewoidenEn Möglithljeitön gegenüber 
funktioniert die Hemmung als Korrektur und Ane Wahlprinzip, '^ 
Die jüuerö Yaiiahilität, d. li, die AnflhebuDg der differenzierenden 
Einschränkungen äußert sich psycbisch am reinsten im Zustand der 
HatloaigkeLt, und dicao lat Auch die typische erate Reaktion 
&if die Störung des GlBichgewic'atä, Aus ihr leraus differenziert 

1) IJber Afii^ki und ^jAntoTinaiiaTiiiiii'^ R. C Jtingj Tteneintia prueijos, 



Digilizectbj Google 



Oriqinalfrom 
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- 14 — 

sich der Zustand je Lach Wirkung der Hemmung: überwiegt die 
Entbijadun^ i'reier Müglichkeiten, so dominiert das Moment 
derÄD^st; überwiegt die Heinmung, ao «iominiert derUharakter 
der einfachen DeprägsioA. — Unter aLlgeraeiner psjoHiäobci' 
Hemmung tiüertsich die Konzeutrierung auf d*n Reiz, d. h. 
auf dßB afffttthatonten Inhalt '); die EütWnduög der fräien 
M(>{;lli:Ik4;lLt;u busohrürukL üjuli damiL tLiif die juit dt;iit j^etictzten 
Reiz zusammeti^ehöiigen Momente. — 

2. Sobald di*s weck mäßige Eeaktion ^«funien wiid, toH- 
siekt sich die neue Anpaasung unier Lösung der Kon- 
zentration und allgemeiner Aufhöhung und Besehlcuni- 
giing dea payebiecben Geschehens. Dieeer Zustand des Über- 

g fing es ixtT neuen Anpassung bedeutet Lust. — 

3. Die neii^rworbene Anpassung au eine bestimmte Moglicli- 
keit d«r äuEeren Einwirkiing wird aum festen Bestände des Indi- 
Tiduuma, d. b, eie luaebt sich vom der Mitbetetiigung der gesamten 
P&yfthe maximal unabhängig. Sie wird automatiach, ~ 

In dieetm Sinuf^ eistbeiut ein Affekt sie ^n typisch«? 
biologiHtilter Vtjrgang, in -««lyliBm — ne^bjau der prüformierten 
mnmentA^riE^n Anps^asunf^ att die Situation — Aunh einc^ neun 
dauernde AnpAssungf d. h. eiti neuer z^freckdäßiger Auto- 
mat ismus geschaffen 'wird. — 

loh glaube, dftü mit djescr Darstellung mo-nohes geldöxt iror- 
den kann. Vor allem die Tatsache, daß Lust notivendigerweiBe 
«ine Ubef^änj^sfoTm ist. Lust iflt das Segleitgefütil b«i 
der Erwerbung eijier n«u«n Anpassung, die fortan üuto- 
matisch, <I, h. ohne Affektbetonunf bleibt Uni die& be- 
deutet., daß Lust tiVit durch immer itene AnpasEuug au imiaer 
neue Situationen, d, h, durch immer neue beherrschunjf 
iTum^F neuei Gebiete erlebt werden kann.^) — Dia bt^iie Prä- 
gung für dieses, bioiogleclie Prinzip ist Nietzsches Formel: Wille 
sur Mftcht. ^ 

I?äj un« ergibt aicb, daß jeder Affekt als em btotogiscber 
ÄflgulationfiTorgang sich notwendig anreise zu EJnd^ lebeni, 
d.h. bis zur Schaffung eines neuen dauernden Automatik- 
mti& gedeihen muB. Zugleich aber wissen wir, daß unsere öe- 
samtanpassimg an unsere LehensveirbältnisBe nur ein« 'weni^ 
vulleiidetv IkI, Wir beiluden uns zu den grüßen gauellHchurtlit^hsn 

1} d. h. die&Br InhiLlt tritt in yerstÄrtte SekuudarfanktiOE ; vgl, 1. c. 

2) 6*K€iiefttüt „Zufriedenheit'' iät das Stielen zur Sctinefslosifjfcieit 
diii'C'n RiiiA f^nltfltiiH;r.1irinkimp auf tliA bR>reiffl ArwnrhnnAn AuLmuHtiemAD, d. h. 
durch di« (^5ßtm5fUch« TJjibo'^uGthcit, 



Conolf Original frcm 



" iö — 

Orgtitiieationen, in demen mr leben, in rlftni Reiben YertaU.iiis wie 
tiacli Hertwiga getdaler Konzeption die einz einen Zellec /um 
tierischen GesaEn'jOrgamsnivia: die Forderungen der Gesamt* 
beit »rfülleu «ich auf !£osteD der individiiellen Regula* 
tion* Dia sozLialeEi Beecininkungeu gestatten dem ludiTiduuufi 
unter beatimmten üedinfititigen njcht, seine eigenen bioJogis&hen 
Hegal^tionea, d. h. seine Affekt« zu Ende zu leb^Q. Die ist 
das Muiiif^üi Jbb p^tkugt;utii Xt^ufliktä, Wiril aiii 'A£«kli, 
d. h. wird <3ie BatwickluDg einer neuen sweclcmaEigen ÄnpasauDg 

uiitflrl>rooh«Ti, ' BD ist damii; ein unzweckmäßiger ^Eingriff 
in die G-eätaltung einer dauerndeo K euer Werbung gesetzt wor- 
den. An Stelle des aweckmäßi^en Automatismus, mit dem 
der Affekt ab oin Yorgang der inneren Solckticn seilten bio- 
logischen Abscliluß findet, tritt nun ein ^lnz^ve^^kIlläßigeT Auto* 
mat[Emufi als gleichfiills dauerndä Keuarwerbung. Und 
eolcke dauernde, der BewuBt^einekoiitinuität etiirückte, 
unzweckmäßige Automatismen st&ben dauernd Timteiden in- 
."haltlifili ahgegr^Ti^tsm ^latliftlrtgisfihftTi PhänrtTUftUHn — den üher- 
w^rtigen Ideen; äen 2' wäLgs inipulsen uaw, 

Da& eigenüiclie TYeseu der pattologisclien Bildung von 
nenen Aniümatismert ht di^ VATnchi^biiiig il«r Affnktbe- 
tonung, "Wir wiseen, daß die EontnrreEz verBchiedener und vei*- 
BChieden gerichteter enu>tionelkr Energien anf sinen bestimmten 
psyfihWbftn TnKält — wir htlier angtroniTneTi, durnb ftiufin ein- 
fachen pk]r»iologisc1:i«n Vorgang — zu einer Sperrung ia der 
assoziativen Leitung führt und dalJ es dann — wir ha1>en ange- 
nommenj dunt-k ein Prinaip der Sekundär Funktion — sii einer 
affektiven Üb sibeto QU ug de ij eilig e n pitjclu sehen Inhalte kouoint, 
die mit dem ausgesperrten in einer naheo asBoziativen. d. h. 
ttho inhaltliehen Beziehung stehen. Es ist nun selbstverständlich, 
daß es hei dieftei" ässOKiiiLiYen Uburlra^uiig —■ wie bei allen. Vor- 
gänj^en der A&sQziaticnl — zui' dauernden Piiierung eines 
bestiniiiuten aeaoziMiven Konu^x^B kommt. Damit gewinnt 
ainbe»iimm1erInh;tH eine dauernd überhökty AffuktböLpnung: 
er wird zum „ Symbol" des verdrängten afTetttetonten Komplexes. 
— Die Überwertigkeit beriilit auf den inhaltlichen Eeziohnnge» 
deB tlbervrertigen zu einem verdrängten Inhalt: die inhaltlichen 
Baziebungen sind der intrcspektive Aneinick der Leitungs- 
und B&huungSTcrhäUnieä« im aeeoziativon Organ, durch 
welche der Ener^evfträchiebung die Wege vorge zeichnet werden. 
Von diesen alyektiven Grundlagen kennen wir eelbstTeretändlich 
nur d«n introspektiven Ausdruck — wir Bpr^ch^a, hIb ok 



^ . i^ ^n^lyy Oriqinal from 

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- 10 — 

„Ideen" das eigentlich Wirkende ^ören. In welcher Art die 
P«,thogenft Yersr,lii*himg von nffelrtiTer Energie durch inhaltliche 
!D«ziehuDg&n praformiert "wird, d&s aoll blcK am Beispiel ^inee be- 
stimmten Symptoms fergeben. Vorher aber aoil die KTanksuge- 
schiclit« eiii€s Falles Pl£i.tz finden, auf d^s^en Sjrmptomatilf wir 
uns beaieli^n tf erden. ') 

23. X, Oß, Pftt, ist bei der Aufnahme still, mit Mübe pi'elit 
man einige Worte aus ilir heraus, Deprimierter Gesichts auadrnck, 
Sie ist mit der Aufnahme eittverBtanden. 

Die Leute der Pat. geben an, Fat. habö «inen Waifen laden 
aufgeaucht. In demselben habe sie ganz win- geapiücht^u lüJ habe 
geaaßt, sie voile einen Kevolver kaufen. Der üescMfiainliaber 
machte Ansei ge an den nächsten Schutzmann, der die EinLi^fomng 
veraultiitä, 

23. X. Ofi Pftt sieht blaß atia; der Ernährung ssuate^nd ist ein 
guter. Die Refiese sind uoiiaal Die inneren Organe ^ei^n keine 
abnormeti Verhältnisse. 

Die Pupillen Magie reu prompt bei Akkommodation und Li cht - 
«jiufail. 

Die Finder der ausgestrfckten Hände zeigen leichten, fein- 
gcblägigen Tremor Leicht« Struma, 

Muel^ulatur iXüd gro[5ei:i >föfveiis tarn nie mclit druukeiu]>flndlit;h. 
Fat behauptet giuTida im 2. Monat zu sein; di^Hamtnae sind kräftig 
entwickelt. Menses seit 8 Wochen a^sai^rt (nach Angabe f) 

Elteni Ittben, gesund. 9 Gesi^bwister; alle gesund; eine Schwester 
"war eine Zeitlang lebensüfcerdrüaei^. Ksme Trinker in der Faniilie 
außer denr Grr<}JiVater TäterlijheTeeits. Großmutter ni,üttcrliohcj^6its 
soll an Gehirnerweichung gestorben seiti, — Fat. gestillt Zweimal 
Diphtherie als Kind, Masern. Als Kind mit 7 Jahren Unfall dur^h 
Aufaehlagen dt>B Kopfes auf einen Stein; darauf bewußtlos ca, 
1 V^ Stunde. Keine Krämpfe. Späterhin öfters Ohnmächten; mit 
17 Jahren Eintreten der Menses. Dainds öfters ohnmärbtig, immer 
gur Zeit de? Menaea. War damals inimei" sehr aufgeregt; ganz ohne 
Gmnd , zappelig** und jähzornig; dieser Zustand dauerte ca. 2 Jahre; 
die OhriiTiafthten datierten nur einigp Wof^hpn. Si© ßngen mit Hera- 
klopfen an, Peklommenbeitj Angst, dann plDtElich be'milättos, 
wußte nachher gar nichts davon, war aber immer seht matt, 
«a, t iStiinde, Keine tu otori sehen Erregnngsjjust&ude |däbfei. Im 
Jahre 1905 wiederholten sich die Zustände; ca. zweimal Ohuniauhten, 



1) Dem Herrn Höfmt Pi>3f. Eraapelin dauk^ ich auf das etg^benst« f^r 
die ^tige ÜbeTlaflaniig' äeü I alles. . :. . " 



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— 17 — 

mm1}hängig Ton de»- R^gel. Damals ebenso „Eappelag" und jähzornig 
vie das friiliere Mal. Seit dieser Zeit oft Kopfschmerzen. Winter lf^(]4 
Rheuraatismus . ca. 7 Wocheü, nicht in ärailiclier Eehandhing. Eef- 
li^e» Rülßi^ci und 5tt!iiieii; leiulite Scliwiilluiigyn, e-nigsiujil Fieber. 
Damals psychiscli normRler Zustand. Mit 17 Jahren zwischen durt^b 
a^ki; lueti^, iibermütig, ftusgelass&iif ma^cbte DnmnaliBiteEi und Streiche« 
im ganzen yielleicht i Wochen. Hit 17 '/^ Jahren beginnt die 
Traurigkeit; kein Gitind; wajin Stjellungj fiililte sifli müde und matt 
daliei: iu dtjrFrUlieiinniermUder als abends; keine Yorwürfe; keine b*j- 
&on deren Sorgen; die Leute merkten die Veretinmiung, sie aag:en, 
öi* aei jetzt wie umg^ewiindelt. Der 2uBtä,nd dauerte fast bis zum 

ly. JahT, Nacli und iia;cli wurde ee beaser — Setr bleictsücütif!;. Mit 
2U JalirönQ Wocten im Sanatorium, ä^n^eblicb wegen der Bleichguelüt, 
weinte damals sehr viel, ionnte siDh gar nicht beherrschen. Etwa 
1 1 Wochen verstimmt; dann wieder ganz gut, Gesprochen habe 
sie eigentlich immer sehr wenig. Der Vater bab*% immer geaagt: 
Aus dir wird man eigentlich sar nicht Mug. Im allj^emeinen immer 
jäibsomig, — Prühj&hr t&05 durch anstrengende Pflege sehr ler- 
untergekonjmen. Seitdem wieder „Eappeiig**, unruhig. Ende Auguät 
sehj starkes JCopfweb, sebwitidslig, immt^v der (re danke, sie 
möge nicht meKr leben, ob-wohl aie damals gar keinen 
besonderen Grund j^ehab: hal>e. In letzter Zeit sei die 
Fariode aiiBgeb]ieb«n, daraus echlieää £i«, |d!ELl] sie in anderen 
Umatänden sei. &egen ihren Geliebten sehr streitsüchtig; dar- 
über große Vorwürfe: „Feh Xtih?, in dem Wahn, ich bin die Aller- 
unglücklieb&te, die auf Erden lebt; die seil Gedanken bringe icb 
gar nicht los," Vor 6 Tafien wollte aie aich mit Salzs&ure 
vergiften; kaufte sich die^elb« und <ii« Scliw«eter närbm sie weg. 
Zur Schwtjuter habe eie i^uhon längere Zeit ätjlböimgi'dg^daukeji 
geäußert. Am 23> konnte sie Bich „gar nichts mehr denken", sie 
hatte daa G^fuhl^ ala "wenn ein Rad ira Hinterkopf gewesen wäre. 
Sei schwindelig geworden, ^ini; auf eine Ladentüre zu, wellte 
Waaser lia.be n- Sie wisea gar nicht, ob sie dmn ohnmöjchtig ge- 
wesen Bei; es aui ein Saüitätsmann gekon:nien. Der AukuiifL iu 
der Klinik könne aie aich ennnerQ. Was sie in dem Waffengeschäft 
gesagt habe, whse aie nicht; itn f^opfe sei ea ihr ganz T^irr ge- 
wesen. Fühle Bich äehr jaiide, abKescüla2;en, Das Sprechen gehe 
schwer, eie habe von der Stime herunter so *in eig^ntümlicbeai 
Gefühl f ^It^h muß mir imw er di e einzelnen Worte isuaümiuea- 
suchen; ich habe so yiel im Kopfsj das gellt mir so durch- 
ein an der, eo 3 ebne IL" Es komme ikrHu Tiel in den Kopf: über 
die einzelnen Gedanken könne sie ßick keine Auskunft geben; sie habe 
OT{ia^idBoe«iiit^t4i4i]r«, 2 



Conolf Original frcm 



- 18 - 

z,B. in eine'ni Buch* gelegen; und als sie urten war, hAbe sie immer das 
ObeDstehende noch im Kopfe geha-bt, „Venn ich etwas sagBH will, iat 
der Gedanke sciion wieder tort, es ist wie ,geLemint'. Jos hält mich 
förmlicb, ee halt mioti suriict; erst w^nri ich laich be^imie, kommt 
e* wieder zurück; ias strengt micl furchtbar an, das spüre ich 
ganz, Däs frird manchmal bd arg, da£ ich mir meiner Lage gar 
nicht mehr bewußt i^in; ich habe luemen Kopf an einem K^aclitti^cli 
aiigeachlagan Mud bstbe mir weh getau. Ich merke das vorher, mit* 
?fird da ^fitiz schwindelig. Es aind läuter trAUrijje Qedaok&D im 
Ko^ift;. Weuu ich luir das Eä^en deuL«, &ci kouiuil mir der iiiiijb»li; 
Uedaake, «s könnte Grrae sein, leb denke mir, das i&t ein Rock, 
Bii gUic^hcr Zeit tommt dar Gedanke, der Roek ist ein Strumpf. 
Diese Sachen atellc ich mir auch vor. Ich glaube schoii, daß das 
ein lltisiTiii iat,, das koraimt ii:iv so ZRitweise; ahflr diesR G<=:(1ftTil:eii 
ängiatig^n micli. Da? Denken g^ht mir deswegen sff scbi^dr," — 
JtJeiiü Herausgehe n aus dem Unteren chungäsimmei bleibt Fat nach 
öin paar Schritten stehen, geht d^nn auf Auffordörung weiter, 
bleibt dann wieder stehen usw. Es j^ehe ihr schwer, einen Ent- 
schluß EU fasaen. £ä sei ihr äo, daß sie an einem Gre danken hängen 
bleib«, während die übrigen auftaucbendeK Gedanken raach rer- 
schwinden, 

37- X. 06- Hftut© äehi iiigsthchj klagt über Sehwicdel, im 
Kupfu' g<;bi t!ä nucb uif^hr dunh^jinundt^r älä tjunät. Sin hübe das 
Gefühl, ßk ob ein Ring um den Leib wäre, der sie zusammenbalte. 
Sic habe acitweilig utclit mehr atmen können^ — keinerlei Sensibili- 
tätsstöniTigen, Auf der linken Mamma rundltc^ie, mit, einem Schorf 
bedeckte Erosionen, die iraiirscbeitilißL auf paradti scher Grrundlage 
beruhen. Pai. erzählt , daJ^ sie <lie Ülnt^tehuiig dieeei Ilaut- 
att'ektion auf den Schlag von einem ihrer Dienstherrschaft zurück- 
gftfuhrt und dav.jn auf Zur^d&n Ana^icf« erstattet hab*. Di© An- 
gelegenheit harre noch der Erledigung, 

Intellektuell iat Pat. sehr gut begabt. Schul kenotnisse 
bähen aicb Ig normalen (Jienzen. Auffallend iat die überraschend ein- 
gebende Selbatkenn^nia der Fat. — E* wird ihr eine kleine Fabel 
zum Nachschreiben aufgegeben; Pat, ist nicht imst^md^, die Ge* 
Hihichltj ^»ijrdimL ft'müniiVi^ahvUy tirzähU In zimaiumHiihullluämi, 
mit längeren Pausen durohseUten Sätzen. Erklärt dies damit, es 
sei ihr eo wirr im Kopfe, ei© könne niclitv 

29,S, abenda. ZwangainipuUe: derzeit werde sie immer wieder 
von einem iinKpzwinglicbRn SelHstmoTd-ÄwnTi^ befallen. Dies 
Moment aabe jetzt die früheren — kleptomanisch «n — Zwangs* 

Impulse abß:«iöät; abj?esehen vom Inhalt »ei alle^ ganz daaselba 



_. ^,~_._|_ O'iq nal frarr 

Dig.liz.e<J ty '^^-OOglC UNIVERSITV OF CHICAGO 



— 19 - 

Krankheitseinsicbtr möctte eehr gern t>efreit werden, fühlt sich 
unglficklieb. Erst liegt sie in einer dumpfen Starrheit, dann 
UDier der Ei:iwiiknDg dea GeräpiücLda pIützlic;he!S, awangs- oder 
liraiflpfhaftes Weinen. 

30 X- OG, Gestern s,ben<l wieder lebbaflt^ir, wie immer ibonda im 
Gegeu^aut zu umr^eua. Es' wird ihr vcm der Anaeige der Dieb- 
stäbie erzahlt. Sie nimmt die Sacle äußerlich ziemÜcb gleichgültig 
scaif 3flgt, $i« h»be ni«ht anders gelcount, aio wisse gar Dicht, wie 
sie dazu komme; sie habe keinen materiellan Vorteil von den 
Diebätählen gehabt; aie habe die ^estahleiLen Sachen, di(> tfliWise 
\rertToIl, t«ilw«iec aber nutBloaerTrödclgcweeemeeieni Wi ihren «ig&- 
nem Saohem liegen laasen, habe aie nicht einmal verstecltt. Diese Dieb- 
stähle geben nach ihrer Angabe bis auf IfoTfimher 190S zurück, 
Anacigc ßci cratattet ivordea toh der Frau^ gegen die si« (vt^tn 
j^nes Schlages gegen die Brust, &. o,!), geklagt habe. Die letzten 
Diebatihle habe sif. hegaiigRn, als sie sfibon fleprimiert war, vor 
ca*. 6 Wochen im Hotel IL Sie babe damals nichts liegen seh^n 
können, habe den unbegreiflichftn Drang gehabt, die G^geu- 
ntÜTid^ an aifili an n^bnien. (T>er Amtsätnwalt hat mitgeteilt, 
daJ3 Unters uchQQg wegsn Di eh stahl & gegen die Patientin eiinge' 
leitet sei.) — 

Vfirla.rjg^, mit- Iftbbftft.ftm, zornigem Affekt ihre £ntlfis$ung; be- 
hauptetj ihr Abteiliingsajnt habe gesagt, ea fehle ihr nicht*. Sie 
iet dariibet aiife höchste gekränkt und entrüstet, beschwert aich 
mit Erbitterung ttb*r den Widerspruch, daß maji aie für geeund 
erkläre und trotzdem ge^eu ihren Willen hier uuiüokbalte. Bei d*;r 
Vorst&llunE^ (im forensischen Fraktikum) israb Fat beEÜ^lich der 
Diebstähle an: „Es wai-en keine Dinge, die mir besonders gut 
gefielen; ich habe ea nehmen ujüsä^n^ ic:L habe keine Kühe 
ja:ehabt, bis ick ea genommen habe. Mir war es leichter hinter- 
her; es iät vorgekommen, daß Leb am W^gnehmea v&rhindert 
wurden bin, dann war as mir dön gansea Tag schleüht. Ich 
habe stete die Leute gebaiSt, die geßtollen haben. Mit 17 Jahren bm 
ich eirige Wochen sehr übermütig gewesen; ee waren das öo 
Dummheiten, iaa ging Torhej und dann woide ich wieder traurig. 
Ich bin nicht krank, ich habe nur Kopiweb, Früher hatte ich 
eimgenaal OtniacLohten." 

Die Diebstähle vollbrachte Pat nicht aus Eigennuta; 
itr Verhalten steht in vollkommenem Gegensatz dazu. Sie 
hatte eine innere Unruh«}; wenn aic dann cineu Diebatahl bedangen 
hatte, hatte sie das Gefiilil der Erleichterung. Die ganze Angabe 
klingt ganz unverdächtig und ist gewilj kein» Ansirflde. Sie hat 



^ . i^ ^n^lyy Oriqinal from 

Dig.lizedbj''^.OOglC UNIVERSfrVOF CHICAGO 



- 20 — 

die Diftbaiähle nicht verlieimlicht; die HäJufung von derart aabl- 
r^)clien DieliRtälile weist darauf lin, daß der Geiante, ötitdecUt 
zu ^ertlen, keitif* KuUts ^BH|jitilL bat. Es tiiid kt;me äuDbivii Mu- 
mente da, die besonders ianlockten, meist Lähm Pat g^ni wert- 
lose SacLeti mit. ' Sie gibt klare, riickbaltaloge Auaktnit. wonn 
auch mit einer gewissen geistigen ScliwerfaUigkeit, die auf die 
psych OHIO toiisihe Hemmung surückznfilhrGn isL Ea iüt eine selten 
vurkoiLiueucl^ Yer bin düng von Depression mit ÜTvanjsTor* 

stelJungenJ) 

31, X, 06. Pat, gibt SD, sie babe nie aus Not gestohleiL, denn 
sie habe ja nur nach Hause zv sclireiben biaucben, dann T^ürde 
sie dae Geld bekommen haben. Sie Labe im November lSi)5 
zum erstenmal gestohlen. Fat, gibt in liezug auf dea ersten 
Diftbstahl an, sie sei bei dar betreffenden HerrscTiäft selir 
sobleclit beliandlelt worden, Sie sii dann bel^i Gewerbegmcht ge- 
■wesen, die haben gesagt, de solle we^gelien, Sie habe nun den 

Koffer aufgemacht und das entwendete Korsett kergegeben; die 
Stiüujpre h&lni am nitlit gehabt. Sie wihs« nicjht, wie sie dizu 
gekommen 5ei, die Sachen zv. nehmen. Sie habe einfach die 
Sachen TVLignchmsn müEson, oe sei ilir cir.inal in dön Kopf ge- 
bomm^n. Es sei ihr das fast so notwendig gewe&en, wie 
daß sie WäSSftT trinken iniif^Rfi, wenn -iiFh Durst hahf, 

Sie sei damals (September) e&hr putzaiichtig geweser. Sie 
hübe iiiifJi dftr Hauafrai, hm dfsr Ria Ruiptat w,ir, Gfigen stände wfig- 
genommen, alte Bänder usw. 

Thr ftigfinfts TerdiRTites Q^ld ba.be aie 7. T!. bei Frau Tl. ir dsn 
Hau ah alt hinein sje steckt. Sie könne sich gar ktiue Vorwürfe macten, 
weil sie sich eben nicht habe halfen können. Sie habe die Saclien 
gesehen und sofort nahmen inu^^en. — 

Viel Kopfweh und Scliwindel in letzter Zeit. — 

Sie sei schon seit J^'ot einher 19Üö yer stimmt, seit 8 "Wochen 

sei es schlimmer T^'iihreiid des ersten Diebstahls sei sie 

sehen 30 veTatimmt ggw^een, 

2. XL 05. Hochgradig erregt, weist Bef. zovmg ab, ver- 
langt ihre En tlaöfcunfj, drobt su acMageri, Sie verkehrt in 
letatrir Zeit fast ausschlielilich mit einer kern stitJtion eil Psycho ' 
patliis*beE, deren paranoid-aggresEiTes WeBen öinen star- 
ken £influU auf sie auszuüben stlieintj Pat. ist offenbar 
durch den gleichsinnigen Affekt jener Mitpatientin in 



1) Nt>t!& tmi der DcnnQu^ti-ation durch Prof. Kmcpelia! 



_. ^,~__|_ O'iq nal frarr 

Dig,liz.e<J ty '^-OOglC UNIVERSITV OF CHICAGO 



- ^1 ~ 

größte Wut ^c^cn ihren A^btot Jungs arzt ^'i^koLimGii (ahacL einend 
Hseiuelle Umdeutung eia«r soniatischen ÜDtersuchuüg! S. später!). 
3. XL Oft. Nocb immer im. gleiclien Affekt (Ias Znrnfts iird 
der Gekränlttheiv gegen ihren Abteilutigaarzt, Dem ßef, 
teilt sie spater mit dem Aufdruck der lebhaften Entrüstung die 
'PirnvenifiTiK dieser Stimnnmg mit: jptir (iti gesstTigeti T^eliurs er- 
TTähiite!) Mitpatieatin hat ihr erzählt^ der Abteilungsarst Labe 
im anderen Saale geäiliert, daß Fat simuliere. Es ist für die 
eJgentiifTiliftbe Sugg^stibtlitäi der Pai charakteristisch, daJJ sie 
jener Mitjeilunf bedingungslosen Glauben geschenkt hat, 
trotzdem das pathologisch- intrigante Wesen und die pattoloj^iache 
ünauverlässigteit der Uberbring^ria gana besondierä &iiff&liig her- 
Tfoitxetenj tioiadeai ihr die logische Unhaltha^lceit ihrer Ai:iiiaiiiiie 
^estfern vom ütf, ^enau erklärt und trotz dem ihr jene angebliche 
S&hauptuEig dss Abteilung; arztes heute von diäs^m selbst in Ab- 
rede gesLelU worden war. — Dagefjeu zeigt sie siuh Leute, iiat:h- 
dein sie seit gestern ron janer Mitpatientin getrennt ist, 
von vornherein dem Ref. gegenüber zugänglLcker und off^iTi&r als 
^ge&ttni, gibt die Froveuienz ihrt-r Aimithmö an, nimmt eine aus- 
fiihrliche Krkiäning über den (le ist ee zu stand jener Mitpatientin 
mit sehr gutem intellektuellem Verständnis entgegen und 
lül>t üilIi düduruL VH>l2iuU{ilLli.uh übtirKf^ugiiii; „At;h, Jel^l 

verstete ioTaf — 

Abend»; Gibt j^itstt an, sie müs^s« doch noch immer gl^iu- 
ben, daß der Abtei iungsarzt jene Verdächtigung (s. oben!) doch 
ausgespTochen habe; die Gegen grün de seien ihr „natürlich ein- 
leuchtend — und ich muß ja «.atüirliah sugeben. ich darf nicht 
mehr i^lauben, daß der Doktor das gesagt hat — und dennoch 
muß ich es glauben!* — Auf Befragen gibt si& an, das sei ge- 
rade dcaaelbe, wie tei den anderen Zwangs trieben: gerade 
so müsse sie jetzt gege:i alle besseren Gründe glauben, daß 
jene Äullening des Arztfta inch gf^ fallen sei, "wie sie früher habe 
stehlen laäasen uaw, — Sie hla^ Über unaufhörliches und 
unerträgliches jjKopfireh"; auf weiteres Befragen gibt sie an, 
4^a£ en nich dnhei niiTlit um Sf^hmerEen handelte, sfindem um ein 
kreisend«» Sauden und Surren und däli diese ä^naation 
im innigsten Zuei^mmenhang mit jenen paychischen Phä- 
nomenen steht, ('lurcb dören Einichiebimg die Kontinuität 
ihie* Bewußtseins immer durchkte^izt und gegen ihren 
Willen fortwährerd alteriert wird. Nach ihren Beschreib 
bungen erscheinen diese Ph&nomena formal als autochthene 
Ideen und inhaUlich al& Zwaiigagedajiken, Im übrigen 



^ . i^ y^^^lj-, Oriqinal from 

Dig.lizedbj''^.OOglC UNIVERSfrVOF CHICAGO 



— 32 — 

fühlt 81« sinh dfirzftit niolit in der Stimmung, snlfihfi Tnhnlt» mit- 
zuteilen; es Beien ,,30 dtXinine, häßliche uud peinlich« Ge- 
danken, daß es beschämend und qi^alvoll &ei, darüber zvt 
redea**. ■ — 

Pat. spricht mit Verz-weiflung über die unerträgliche Qual, 
der sie durch diese tontinuierlichen GedaDkeneinschuhe 
ausgeliefert ist: „Es ist das Etitäctsliobsts, über 3eine 
eigenen Gel anken nicht mehr HeirzTi seinr — Siehatjetat 
Tol]€ Erankheitaeinfiicht, macht keinerlei Ters'ich« zu irgend- 
welchen ^fahrhaflCD öder auch nur auffälHgcnErklärungcD, hart eine 
genauere Aufklärung über das Weaen äolcher Torgänge mit bestem 
Verständnis an und Tenät dab€t von neuenj den auffallEnd 
hokon Grftd ihrer Intellig&nB, — Über die Art dos Zuaanmen- 
haügs sTrfecher den ZT^angsgedanken und den Sensationen befragt, 
gibt sie zuni^ch^t an, daß sie aus dem Sujjbh und Sausen 
Worte keraußtört, S.6B weiteren aker, da£ diese „Worte" nieht 
dieselbe Qualität hätten, als wenn jnjin etvas Ton außen her „mit 
den Ohren^ hört, sondem „in ihren Gre danken'' seien. Diesif^ 
^Worte** erGchein«n inhaltlieh als Imperative, als Zwangs- 
jmpnlse, Eb ist ersichtlich, daß Pat., Trenigstena mtweise, von 
diesen Vorgängen kontinuierlich zu leiden hat — 

Fat. berichtet j daß de beim Ein schlafen regelmäßig von 
der SflnsfttioTi bfifalliMi wird, als liehe si^h ihre Utattsts.tt 
g«gen die De:oke kiasiuf, gerate in Sc k'f^aD kungln usw. 
Diese Sensationen des Lagegefühls sind, der subjektiv 
empfimdenftT Glf-ich^tiwifihtBRtoruiig entRpreflhf nd, mit 
heitigem Aufschrecken Terbuiiden. - — 

Pat. erscheint in letzter Zeit, offenbar im Zusiramenhang mit 

dexi fortwährenden Störungen des Gedätkenäbläufs , in 
geiirissein Grade Btarr und schwer zu gas glich j beim Sprechen 
löet sich dieser Zustand, sie redet dann frei, sehr fließend, 
gibt umfaee«Dde Darstellungen ihrer inneren Vorgänge 
und vermag Über diese in ausgczwchneT^er Weise mitzut^Hsn. 

&. 5!I, 05. Berichtet, daß sie in den zwei letzten NächteD 
„sehr eckliche ErlebniBse" gehabt habe, durch welche ihr jede 
Hoffnung aiif Hilfe ge p eh wn Tiden sei. TM was es sich gehandelt 
hatf ist bisher nicht zu emieren. — Sie habe eine Angßt in 
sich, von der sie gar nicht sprechen könne; es könne ihr 
Tiiemand inehr lielfen. Lehnt es äh, eich in GeBpmche mit dem 
Arzt einzulassen, reep. ihm ins Unierauchungsaimmer zu folgen; 
es sei doch alles nutzlos. — Deutlich ablehnend, gibt schlaff die 



Original frcm 
^'9'''- UNIVERSUM OF CHICAGO 



— 23 - 

Hand, acbaut starr Tor sich hin, erklärt brüllt, äie habe keiiie Lust, 
sich auf kg«nd «twas ein2ulase«ii. — 

Die SaalBchwestBT berichtet, daß Fat. heute Vs^ ühr ftllh 
piötzlicli kat aufsctreiend und in heftiger Angst aus dem Bett 
spmng, kontiauiei'ljoli „Yflter!" itifcad durcli cic Säle lief und 
verzweifelt an <der versperrten Türe zu rütteln beginn. Beruhigt^ 
\%g sie weinend und djapnoiach seh] ächzend im Sett. ~ behaup- 
tete später Aaaoeeie (7ollständige? s, oben!). 

Über die inhaltliche Bedeutung des Rufes ^ Vater!" s, Ein- 
trag venu 15. XL! 

12, XL 06. Heute entectiließt sich Pat das erstemal, zum 
Kef. ins ÜntersuchungsziuinieT zu kommen; sie hat dies bisher 
iunmer damit Jilige lehnt, daü sie zu müde, zu erschöpft oder üu 
autgeregt sei. — 3ehr depriiuiert; LoffnungHlos; es Inane niclit 
mehr i^ut -werden usw,— kJagt vor aiJem üher entseta liehe Ä.n(?Bt, 
die besonders in schweren nächtlich«» Anfällou eintritt^ und 
zwar offenbar in dei' Fuiiii vuii Au»u£hijttzu$>(liiideii {üt, später!). 

Während der Anl alle Sensationen präJtordialen C h »Tak- 
te j*», ^lüi oh d^S Herz Id allen seinen fa&ern in z-^ei T^eile auB- 
einander geaerrt würde", — An^sta^ufäUe; dabei viBionäre 
Bilder: „Heute nacht am Tische in der Mitte den Saal«s stehn 
awei Männerj der eine leichenblaß wie der Tod, macht eine 
betrübt© Miene, der andere hat tine g&bügene Naae, applau- 
diert höhnisch mit den Händen, daß er »ich üher mein Ejchicksal 
freni,« — 

Gsnau du,a selbe Ejld in der Naoht tor TorgcBtern auf gestern, 
früher niemals. — 

Einmal in der letzten Woche (wanD?) erwachte Pat. 1la(^ht« mit 
Angst und mit der „ZwangsToratellnng", ihr Vater habe 
vfeiGe Haare bekommen aus Gram über ihr Verhalten. 
Während das Grübelns darüber kam plötsUch ein „Bild**: Dar 
Täter aus Gram geetorben, Fat. lonr.te nieht zur Beerdigung 
kommen, vird von Mutter und Geachvistem mit Yorffürfen 
überh[liift, griiiut sicib entsetslicb nnd kommt ins Irrenhaus. - 
Bei der EeproduXtion heftiges TVeinen. — 

E]Tzählt spontan, siie ^d iibf>r-7:eugt, daC fiie seit Sentember 
gravid Bei: Zwangstriel» das Kind nach der Getmrt toten 
ZU sollen, „aU ob das eine Genugtuung sein ^iirde". — Fat. 
bflrifibtet, sie habe sila Kind mit 10 — 11 JaliTen pffir^n groüen 
Schrecken gehabt: ging spät abends über den Friedhof zum 
X^ufmann, um dem GroJJvater Schnaps zu holen; der Lehrbabe des 
Grofiväiers, um ihr einen Streich zu spielen, versteckte sich nnd 



^ . i^ ^n^lyy Oriqinal from 

Dig.lizedbj''^.OOglC UNIVERSfrVOF CHICAGO 



_ 24 — 

sprang y&h aus einem fri ach gegrabenen Gr*b. — Pai ir&r 
vor Kcbreck 2 ötunden bevfuUtloä und dann durch Wochen 
krank, litt ao. Bchw erster An^Et, Wagte sich nicht mehr vor 
die Haustüre und schiie Tor Anf^at; ließ sich durchaus nicht da- 
von überzeugen, daß ae dör LetrTjube geT^eeen war — Unter dem 
Eindruck des Schre&kena Trar sie so unmittelbar zaEammengestürzt, 
d&G leie mit dem Hinterkopf an einen Qral>stoin fi<>l und sicli 
eine starke Kontueion zuzog. ~ Wäbretid der folgender! Krank- 
heit litt sie liel an Erbrechen, mullt^ eieL fast jedeBmal iiber- 
gebtjn, so uft am zu eüiieu veouchle. — GrluLibte iiciiierfdrt „den 
Tnd" ati sfihen, traute sich überhaupt nicht mehr aus dem Ziniiiier, 
achlief schlecht; in der Nacht fuhr sie schiTeiend aus dem Schlaf 
und hatte das Bild jener Begebenheit auf dein Kirchhofe 
vor Augen. — 

Arjftmneflt, Nachtrag 1): Seil 4 Jfthren bsitPat. ein Ver- 
liüHuIs^ dasielbe lUiißLe uubefriedigetid bleiben^ weil der 
Mann (Inicih eiriftn Hnfschlag impotent geT^esf^n T?fl,r. Tor 
etwa 8 Wochen war er wieder geaund geworden. [5. oben; 
AngBt gmid iu sein!} Im Verlauf der inneren Konflikte, 
die aua d^r Impotenz des Mannes herrorgin^eD, entstan- 
den zuletzt die k.eptomanischen Zwangsimpul&e. — Pat. 
beric^itct jotat, ddU die Voratellung des Steblcns schon 
vorher, aber ira umgekehrten Sinne affektiv überbetant 
gewesen war; als betonderea Entsetzen iib^r iJie^betäbl^ 
Seit eich Fat gravid glaubt, seien die Diebstahlsimpulse 
fferichwunden. — 

In der jiinj??ten Zeit (wähi-end ihres Aufenthaltes in der 
Klinik) kura noch oin bceondorca neues Trauma hir.Hu: ihr 
Vater machte ihr wegen der kleptomanlBChen Vorfälle 
Bchwerste Vctn^ürfe, zunächst brieflich, dann indirekt aber noch 
wirkung-evoller durch seinen vergrämten Gesichts aua druck 
b^i der, letzten Bö&nchen in der Klintlr; ungleich kg der Pat. nach 
der ^ttJiuäii Gemüts- und Geiüteijrichiun;^ deü Vaters der Gudeiuki^ 
nahe, daß der Vatei auf die (rraviditäi analog reagieren 
würde. — Mit diesem neuen Trauma stimtnt lie Vet- 
echlechterung des Zuetandes ia den letzten Wochen — 
sowohl zeitlich ala üucb nach der inhaltiiohcn Qualität 

1) Es TBiftteht »ich ana dem TolgicDdeii von wlbsv, ä&& die«* Angaben 
erat äarch lan'j^w'ie'igfl paycicanalytiBcLe ExplDration fiei^euoaebt, Treiden 
teiißtea. Die AsBoaiaiionen nncbz'jiKslirtjiben. durfte iül ve^en der tnißtrHuiacli' 
Kbüer. Stiimming Hs^; Pat. nluht nBldsr^TL 



_ ,'" . T . ürlcinatfram 



<^ 25 " 

Afi.T ZwangagfldJfinlffln nnfl Wach träum ie «nd nft<b dem Ge- 
halt der Angatgefütile! — tollkDiunien übörein. — 

Z\t Ang^hili^T und Wachträume: „Die Mutter hat Hoch- 
zeit; man hat mich im IS'^ai^eii, im Unterrock, ohnft Strümpfe, 
üng:©kämmt, gana in Unordnung auf den Wagen hinauf- 
gotan. Auf dem Wagen war oichts als eine Dceko und ein K^jpf- 
kiäsen. iSo hat man mich ans Kirchentor gefahren imd dami 
ist da meine Mutter gekommi^n und sagte: Jim Gottfifl willen,, tti 
T?eleh«in Zuet«.rd kommet <ienn du daher?' Da i&ta mii klar 
geworden j im welchem Zustand ich bin." — Dieses Bild rangiert 
zftitlich in Aan IVfnTg^n dftrseTben Nachtf in der Tnrher rjRs 
Bild Tom Tod de« Yaters aufgetreten -war, Turde &U Bestäti- 
gung empfunden [Hochaeit, also Mutter Wit^^e!)- 

Am Sonntag nach dem Besuche dea. Vaters (gestern vor 
8 Tagen) in der Kacht: „Ein Mann aitat im Garten , vielleicht in 
einer GaätwieUoliüft om Tivoli, auF einer Bank, bei einew Glaee 
Bier. Stellt auf, Trankt hin und her. Ich kab' mirs nicht denken 
können, warum der so wankt, cb er betrunken oder krank isty daß 
er einen, ao ach wer fäll igen Gang gehabt hat> DiLna kommt 
eine B rücke, er geht hinüber, ich hinter ihm nact. Dacn ist er 
von der Brücke seitlich hinunter eine Treppe gegangen, dann ein 
Wcgerl hinauf, obsn var eine Mühle. Dann hab ich gcsehcßf d&E 
das ein Sägewerlt ht, und da kat sich dann das Rad gedreht, da 
hfit der Mann die Toppe aaageizo^en und tat sie hinaufgeworfen, 
an der Wand der Mühle in eine Öffnung in einer I^etterwind 
("tfie ein Fen&ter ohne Scheibe^ hinein; dann schaut von der 0£f- 
jning ein Mann heraus nnd reicht sine Stangf^f pr «oUb «ich 
daian anhalten zum Hinaufsteigen. Um dt* Stange eu erreichen, 
muB der ManiL (der Ankommende) m ein Wasser hinein, das 
sich TOT j©ü er Waüd befindet. Es iat, als ob eT auf verbotenen 
Wegen ginge; er könnte j& Torne in das Elatus g«hn, aber um 
nicht erwischt zu werden, mulj er hinten hinein. — Dann 
hat er die Stange nicht erwischt Dann ist er weiter liinunter- 
ges^hwummen, da wuren luut^r 8 tu in t; mit glttUem, iiaä^mu 
Moo3 oder Schlamm bedeckt, an denen hat er keinen Halt 
gefunden, ist i minor äu&geglitte'n. Der £.nder« hat gerufen: 
,Um Gottes villen, ^arum denn dorten hin!?' Er hat's aber uiuht 
mehr gebort, er hat immer gearbeitet und ist mit den H an den 
ausgeglitten und hat mit dem Kopf auf die Steine gäscblagsn und 
dann ist er ertrunken," — 

In di«&eia Bild sieht »ie ein« „Gleichniel^eziohiLng'^ (sio!) 



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— 2b — 

auf ihr eigenes Sclieksäl — mit einer gewJBSßn äb^^rgläuhiachfin 
Unideiitung. — 

lä'XL Üfact ihrem Befinden gefragt, gibt sie an, daß sie 
fiifh seit, rier gestrigRn KTplnra+inn „iinbegreiflitVi" er- 
leicliteri fühle. 8t© sei aivar seither in großer nervöser 
Aufregang, aber der dumpfe Druck der Äugst sei von ihr 
gewjcli^ii; aie habe zwar ergt spät, ds-nn ^ber vresentlicli fr«i«r 
Tou AngstanfälUii geedUafen und mlisae nicht uaeLi 
■weinen. — 

UbiSr die XompHlcatioii ihres £iJ3tä.ndes (geatecn nor dem 
ljiuucLlfire[]) iiifülf^ti eium txugeuäJi «rre^t^udeu Etuwirkiiiig siebe 
später! — Am deutlichsten fühlte sie die Erleichterung 
am Morgen beim Auf« ach *n. — 

Cregen Aljend wieder deprimiert im Aitächluli an ein neues 
exogenes Moment: jenftr Brief des Vateri hatte auch eine Yer- 
dajnmuiig dafiir entbülten, dnß die Pat. 2 Ja^hre läng nicht mehr 
gebeichtet hatte; hente, bei einem Besuche ihres Freundes, hatte 
sie darüber mi^ ihm gesprochen und g:eg:en Abend noch einmal 

daasclbo Thfnaa Eiir KratiltcnaohT^CBtcr b<:rührt: die Sch-m-cster 
hatte nun Reden \on der Ewigkeit geführt und nunmehr 
kann Pat diesen Gedanken nichi mehr aus dem Kopf 
bFingen, fircttet eich, in der koiKmenden Nciobt daTOn verfolgt 
au werden usw.— Da« Beichten hat «ie aufgegeLen, seit ihr 
ein Geietliclier sexuelle Fragen Forgele^t^ über die sie 
<:ntgGtzt war. Sic habe damals von jcQen speziellen Dingen 
noch gai nichts gewnßt Der Geistltclie fragte £unäcli«t, ob 
sie mit einem Mann „verkehrt" habe, ala sie diese Fragfi fl.ua Tln- 
kenntnia des Benuelten Sinnes derselben bejahte, fragte er ■vreiter: 
„Haben Sie das Glied selbst eingeführt?" Pat. mußte da- 
mjll» norh In.ngp: n anh h «r flnrnber grhbel n, wuide irou reli- 
giösen Zw &i fein geplagt, konnte nicht mehr beten, litt sctwer 
un*er religiösen Z'wangBge danken, — ■ Pat. akzeptiert die 
Darstellung des Ref, und faßt spontan ausaium^ii: ßig^ntlich 
glinbe sie nicbtä, i>\iet sie komme von Zwaijg»gedank«ti 
relißf lösen Inhalts nicht los, eben weil diese reliEiiosen Vor- 
$.t«llangc^n furchtcnf eckend aeien^ darum habe das Wort „, Ewig- 
keit*^, wie es die Bchw^Hter äus!}pru;:h, so fUi^ü t erzeug ^ud auf 
sie gewirkt. Fügt spontan hinzu, daß sie von andern in dem 
Sinne beeinflußViar aei, daß geiade päinlioke yorstellungen, 
die von andern geauUert werden, sieh in ihr nicht als etwas Ge- 
glaubtes, Wühl aher als Griibd^i^n und Zw angebe fürchtungen 
festsetzen. Pat berichtet heute - wie übrigens seit letzter Zeit 



^ . i^ ^n^lyy Oriqinal from 

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— ä7 — 

Einen oScnbEir sehr gio&cn BTUchtcil nehmen l^kclkompiese 
ein; ii, a. hat Fat. seit ungefähr 14 Tagen einen untiberwindliclien 
Ekel Tor Fleiaoh, und z^ar mit der Zwflngevorstellnng, «9 Icönnte 
Xiei<:he]igift daiiDnen seinj sie fiirchliet sich TörTJngeBieferiiS'w. 
-" Zoophobien: am stärksten ekelt aii^h Fat vor Mausen: 
,,die sind eo kl«in und ech&uen so eutHet^lich äus!" Weiter 
vor Schwtibenkäfern; „die ekeln micli so, wdl die so kr&chen, 
"wenn man darauf tritt"; TorFröBchen: sie erzählt, daU sie einmal 
HUB einem Osrten, in dem sie einen Ftoech gea^hen h&tte, nie 
mehr Gremüse esaen konnte, Ee feesteht eine starhe Beziehung^ 
des Ekels zum Moment d«a Ess«tts, so daß ste immer zu «seen 
aufhören muß, wi> »iuu ÄubUKiatfiuu tjiijiuul ^hildtl Ist. Fat. 
beri eilte t, daß sie über jeneröCerminolofie dfls G-ei st liehen 
in dem Berichi© (s. o.) einon intenaiTen Ekel empfunden 
labe, der sich an die wacbgerufetie seiuelle "Vorstellung 
hängte; «tfi hahfi sich d^n fifidänken anfi dftm Kopf« f^chlageii 
■woden und trotz dem BTrangE mäßig immer daian gedacht, 
immer mit Keproilnktion des KJcelgefiibla, Sait dem aexu eilen 
Verkehr sind diesa speziellen Ekelgefühl* ^erfichwundan. 
Die Zoophobien haben im Anschluß des Traumaö in 
der Beichte begonnnen; der Ekel vor den Mä^Ban trat kurz 
nachher horvoi-j "währciid Fat* Mause 7<jrher ganz gern bctraohtet 
tatte; Bie betont das „scbrecklicke Aussehen" der Mänsel 

Assoziationen zu Mäuaeii: 
AiufHeheii: fj)ie £)fiijfigeii Augtn Bind ekelballL" 
BewegiiEganr „Weil das so flink gebt, ^eil man äe nicht holt." 
Gestalt; ^.Ekelhaft, weil der Körper eo kura ist und der Schwanz 

SO lang." 
TTopf: „ITnpf SP lang, Olirfln so klftin, das find* ich ao gräßlich." 

,, „Weil der Kopf so groß ist." 
KopfbeivejsruQgen: Kchauer. 

„ ,,Weil der Kopf so unstet kin und her 

geht und weil aich der av tübutll rührt." 
Tni- was flirckten? „Nachts ins Gesielt springen" 
„ ,j „ „Ine Eett kommen, ina Gleicht hr^hbeln*' 

„ ,, ,t „Ich habe mich einmal For 4— ä Wochen gar 

nicht zu atmen getraut, vor Angst, di« Mäuse 
kämen mir in den Mund," 
Ana änderen Gründen — vorgerückte Stunde — werden die 
Analysen unterbrochen. 



_. ^,~_._|_ O'iq nal frarr 

Dig.liz.e<J ty '^^-OOglC UNIVERSITV OF CHICAGO 



- 28 - 

14, Sl. L>6 PaL wöD^et aiöh heute an den Abteilungsarzt mit 
dem xinl legen, jie Jülile sich durch die Esjjloration a.ufg@i'egt und 
bitte ilxn, zn vennitteJn, dali Ret „tlii heute" die Arbeit unter- 
breche, ^ Nacb An^ab@ desi Abteilungäarites erscheint Pat: in 
iLieiii Zu^'^aiiil veiiiiid trU im Vorder^TLiid ält^Lt uuiiiimlir ein 
Moment nervöser Erregtheit Qüd ängstlicher S Planung, die Hejm- 
muugen eind dagegen auriickgetraten, Dasu vgl. den ^eet- 
ri^^n Dökurs; das Auftauchen schwerwiegender affekt- 
betonter Komplese aus der Yerjangenheit, die aber g:äetern 
durchgehende noch nicht hie au Ende analjsicri werden koiititcti. 
Vor allem der Vors t&llungs komplex „Ewigkeit" war durch das 
Auftauchen ss ah 1 reich er 2wischeti^]ieder von geiir gerer Eedeutung 
imincr wieder hinauö^caebübcn und dabei doch mit seiner gstiiz^n 
zugehörigen Sphäre und mit all den dazugehörigen inneren TVi- 
deratander mobil gemacht worden. — 

Abends: Bei der uiufaasonien DatateUung, velche Fat. vor 
dem Professor über die kleptomani3[;hen Vorginp^e abgibt, tritt 
als ein hesitndfirH a.uffalHjRs, fli:',b typisr.h wi «dftrhol end (>s 
Müinerit h^rroi'j daß Tat- viele der entwendeten Gegenstände jr.ebr 
ndader iimniuelbar r-achher wieder verliert odär vergißt, und 
zwär unter solchen ßegleitumständen, daß dHi* fteda.nke an konr - 
dinierte unbewußte Zielha^idlungsn nahelisgt. Ea fällt noch 
auf, daß Pät iilier den weiteren Verbleib vieler entwendeter Gegen- 
stfl.nde nif^hts mehr wsiß — offen hs.r ^ueh iiiphrfarli diii'f^h teni- 
poräres Vergeaaeü der weggetioinm.eiien Dinge die Gefahr 
der Entdeckung wesientUch vergrößert tiat. 

Fat. beschreibt heute einige Fälle, in dänan si« ar. solchen 
Entwendungen dtijicL Safall vei hindert wurde; dann trat jedes- 
mal heftiges Unwrohlaeiiif Ab^eschiagenheit, Übelkeit, 
seelische Verstörtheit und Unruhe auf, Entwendete Gegen- 
Hliäiide hat bie miMichuiLil zwLir vemclifjnkfjn, ah^T nicht dmn Bi;- 
sitaer aurüctstelleii können, 

3ä, Xr. 06. Pa,t. ist in letzter Zeit wieder trüber gestimoat, 
sie hat sich die fcreiis bedirigceii Eipl oratio neu — trotzdem ihr 
Eef. den unentbehrlichen Vorteil, der ihr dadurch zuteil wiid, in 
cs:tonBO aus o in find cr^ca etat hatte! HuraLAuagatigäpunkl furachwtr - 
mutiges Zwangs grübe in ganotninen. In letJtfjr Seit sind es 
noch basorders die Ekelkompltixe, von denon ria zu leid^^n hat; 
sie kniipft den Ekel ror allein an das Easetij dazu Erbrechen, 
Globus mvi. — Heute berichtet sie, daß ihr durch ihre Ange* 
hfirigiftTi ZI] ibrftT ITberTfl.srhnng die TÜrinnernni^ wanh ^p- 
rufen \rorden ist, daß si» bereits nach der l^t^t&n, d, h» 



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— a» — 

^linstigen GelegflTihfli t pirtflr f^vent.n eil ph Kons Rpt,ir>Ti schdi 
wieder iinwobl gewesen w^ri 

24. SL 06. Seit den letaler Tagen lia,t sich Fat* dem Ifcef. 
gegenüber in iliTeni Wesen wieder Ter ändert, Sie weigert aicli 
nim wieder, zur Esplaratif^n zu konunen, veretliiebt die 
Unterredungen unter aUen möglichan Vorwänden van einem Tag 
auf den andern, l^hrit endlicli jede weitere Eeliandliing mit 
feinds&liger Gereiztheit endgültig ab. Es w-rd daüei er- 
Bic-htlich, daß sie in typischer Ajt bestrebt ist, diirch aggressive 
Ausfalle dem Ref. alle ireitejen Y^rBuclie unmüglich zti machen, 
z. ü.; sie -wisse gaaz genau, dali sie nur zu wissenscbaltlicben M^- 
perimenten verwendet wercJen solle, die Terepr^cbiiniijen einer tlera- 
peutisclien Wirkung seien nur dazu beBtimmt, sie au fangen u&w. 
— Es iBt dabei unTerkennbar^ daß Pat. dnrch irgeudi^^ekhe Be- 
einfluß aang Ton dritter Seite zu diesem Verhalten bestimmt 
worden ist, (Ihre Eertnachbiirm ist eine verbitterte und querulie- 
rende Manisch-DepieggiTe, die großen Üinfluß auf Fat. besitat und 
ädäi^u<ii,e SliuiiiJuiJgäriuhiuiLf^äo buben dürftel) — Alb Ar^Uujt^tlt 

für ilire Ablelinuiig führt Pat- u. a. eine sehr charakteristische 
Angabo auf: In den Tagen naali d<!n loteten Explgrationen 
sei ihre gariBe Yeigangenlieit in ihr lebendig ge'frorden, 
aie ^ahft iibar alle inng! inhfln. lÄngat. vflrga.ngenfln Ding* 
iiachdenlteii luiLssen uud sei mit ihiea Gedanken nicht zu 
Ende gekommen. Sie sei dadurch sehr autgereß;t und aWehnend 
gewordan: wenn aie ¥on einem Gra danken okkupiert sei, so emp- 
flnde sie jede An spräche urd Uberkaupt jede Störung von a^ißen 
fiis peinliche QuaL Sie müsse jed^n päinlicheu Gedanken 
HU Endfl demken ur>d komme dennoct nie au einem ver- 
nünftigen Reeultat. Das T^'^ied et auftauchen alter Dinge 
hate äie wieder von n^ucstn in solche qualvolle endlose 
6r jbul^^daiikeu gefühlt. — Ta^tsäüllitli äiimmt düs AU' 
brechen der Analyse mit der YerschlitnmeTung des De* 
presaioneaustandca zeitlich genau übcrcin. — 

Daß jenes Wiederanftaucten der Tergangeuheit dem Zwect 
^%T T]yploTatirn fintfipriscbenii unff dte Sti^tH'it.ät i^er pmvo vierten 
Gedanken von ihr selbst duroh die Ableh:iung weiterer Analysen 
ventraacht sei — dieser Eiuwand wird richtig aufiffe:'aJJt Pat. 
erklärt, ^ie wolle sich ibi Verhalten noch einmal übBrlegen. weist 
aber wenige Minntan darauf jede Unterredung in denkbiir schroff- 
ster J'orm und endgültig ab. — 

25,XI. 06. Ti*fe Depreaaicn. — 

28.XL06, Pat. ist dauernd gleichmäßig depiimiert. 



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— 3C — 

Doch sind di« AngsianfälU, wie ofceii beachiieben, nicht nieder Tor- 
gekommen. ^ Fs.t. hat immei noch eia^n Abscheu Tor Fleisch. 
Sie ilit genüj^enil^ Schlaf mangelbaft^ Sie li&t noch immer das 

GafuM, da£ Ibr un^iählige Gedanken durcL den Kopf gehen, 
denen aie nicht ft^lgen kann. Psych nraotrtrificb statk gft- 
hemmt, auch sprachlich -motorisch. Q raTidi tat kann nichi; mit 
Sicherheit festgestellt werden. Menses feilen nocli. Pat. weini 
oft, besonders wenn man ai*h nach ihrem Befindec erkandigt. 
Sie erklärt, sie verde nie mehr gesund "werden. 

*J9. XI. 06- Fat. wird in die Kreis- Irren- Anstalt überführt. 
Parftre: Pat, ist geisteskrank und an»taltsbedürftig. 

Nachtrag: 

Ain 30. X. U6 AuBBage der Frau G.: In der Verwandiachnft 
keine Geiateskracikheiteii^ Eltern sind s«hr angesehene Leute, 
R*f, iat Pat, aait ihrem 12. Jahre bekannt War als MädcheT 
sehr übermütig, Anfang September lil06 zo^ Pftt, aur Ecf 
Studierte viel; eehlief ganze Nachte nicht, klagte libei 
Kopfweh; hatte dazwischen Tage, an dea«n bIb gan^ 
ai\imt*r wer. Manche Tage spraßh &ie nel, weitito viel; Appetit 
war gat, Wohnte bei Kef. zuletzt wieder bis eu ihrer Aufnahme 
Sprach dafon, daß sie sich was antun wolls. Eizahlte äucb, daß 
fiifl früher schon vciatimmt g*weaen sei. Erzählto E,of,j daß 
sie bei einer Kunstmalerin im Juli ISOG Hutscbmuck ui^w, mit- 
geacmmen hMie. Hatte deehalh zu Haii-^e (im Auguat) Schwie- 
rigkeiten mit dem Vater, Im September 19'>6 im Hotel K, 
zur AuEhilfe als Etagenmädchen. Soll dort einen Armreif, einen 
FingftifHrg nnd ein Kleid ^flnommeTi hahen; ^dasi 70g sip 
alles an*^, j«doch «r»t, sli aie ve^ war, Hatte keine GeMnol 
Auf die Jrage der Kef. sagte sie: „Ich halr mir gar nichts 
dabei gedieht, iah habe nicht daran g;edacht, dnl ioh ge- 
straft T¥^erde." Während dieser Tage "wai sie ganz lastig. Er* 
zählte auch, daß sie von einem Sergeanten in anderen Umständen 
aed. Schenkte ihre eigeneri Sachen einer Freundin, verbarg ihre 
gestohlenen Sachtn [jlcht, soijdt^fu legi,*; sie offen hin. 
]£in& alte iJluae nübm sie einem Zimmermädchen weg; dieselbe 
hätte sie ni<>ht tragen können, sie hatte auch keinen Wert Sie 
katt« aucik aine Menge Spitzen u&w„ lauter wertlose Sachen. 
Eihrach sich viel; von Ohnmachien nichts bemerkt. Pat sagte 
eft, sie wisse ^ar nicht, wo ihr derEopf st^he, 

War schon rerstinunt^ ehe sie Umstände wegen der I>iebstihle 
katte. — 



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— 31 - 

Ami, XL ftft Aussagt ihrer Schwfi-iter Ann&: Eltern g«fliind; 
Vater zeitweiae furchtbar aufgeregt In der VerwaEdtschaft 
keine Geieteekrankteit^n, y Geschwister neben Fat; alle gesund. 
E«f- selbst VAT v«rgangetieä J»hr sebr nervale, scLweimütig; 
schien dann leicht byp omanisch zu Bein, War von jeher 
still, ^virückffezojen, wir nicht ho lustig wi* andere Ein- 
säe r, boctt« ^ertxe, Xh Kind Madeira. In der Schule ganz gut 
gelemtf hatte gut^E Talent^ ist aber immer alles gleich 
wieder v^rg aasen. War nach der Schale h&i ihren Großeltern 
h\ L.; dann in B. 2 — 3 Jahre, W^jc d^uitalin alle Augt^ublicku 
kratik, bleichsüchtig. Dann in L. ca, I Jahr, auch wieder 
kranl;^ hatte einen eigentiimlichen AuBBchLag, seitdem Immor 
in München« Ca. mit 17 Jahren nach Milncliea. Hat dann in 
den eratftn Stellen ftinige Jalire lang au^gehaltfin EpTrtr j?ifl narA 
München kam. ttbj: Pat, «chTrerraüti^> DeJ Musik fiag aie su 
weinen an, setste sich zurück,, machte nicht mit wie die anderen 
jungen Jlädch*«, I^«iii LebeneiLberdniG. Während d«r Rog'öl sehr 
erregbaTH, Die Stihwermut hat ein halbes Jahr sicher gedauert. 
Dann wieder ^anz ^t und verfügt Hat dann in den Stellungen 
l&nge ausgeholten; ^^^ ^cugnlgsc. Schlief demals schlecht; ^ali 
sehr schlecht aus. Sie änOerte, sie sei über sicÄ selbst gar nicht 
Herr Seit JuH 19Öß «chwer rerfitimmt, „patEig", streit- 
äücbtig, Hchwt]! mutig; „sie habe im su äaLf^; lebtsiiäübei'* 
drÜBsigt Der Zustand wnrde immer schlimmer; Beit etwa 
drei Wochen sprach sie von Seh wenn iit. Hotte früher ni^ gestoh- 
len, erst seit ITovember 190&. Sagte immer anr Tief.; „Ja, ich 
Icann nicht anderfi. Da.K ist in mir geradfiFifi , ■wenn ich 
Durst hätte, ich kann mir nicht helfen.^ Sie soll immer 
Oeld (?*habl haben, sie tat es nicht aus IJot Lanter alte 
Kldde^r, Schmuck und Stiefel nahm sie mit. Bei Votwiiifen 8«hr 
un^liirkliel. Auch der Schweater nahm sie Sachen weg, 
gestand e& äofort nieder ein, sie gab eä immer gleich wieder zu. 
Sic verkaufte nichtE daran. Auch dcT Hiiuafrau nahm ei^e Saugten 
weg, z. E. KlnderTFäsche; legte die Sachen auf ihren Kofer hinauf, 
sn dfit mn,n es gleich sehen mnÜte Pat, war früher Irfirpii* 
lent, is-a mä^r geTorden. Eef. glaubt nicht, daß Pat. die Saoben ab- 
sichtlich gestohlen hat: öie bai ea gar nicht noiweadig gehabt 

Frati Privatier TT,: War mit 17 Jahren etwa. S Jahre bei 
Eef. Eef. war sehr zifrieden mit ihr, Gin^ wag ohne hesondeien 
Grund. Ea konnte nichts bemerkt werden, daß sie verstimmt war, 
sie Tfar im Gegenteil aehr luatig. War etwaa „aepplich", dtea 
fiel aber gar nicht auf. Von Weinen war nichts bekannt, Kef. 



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— H2 — 

nah. Paith S%nn nocli vor etwa drei Jahren Öfteis, däiaala achi^ti 
sie gans ^t zu sein. War naschtiaft, uabm Honig, Jlilch ustt,; 
Latte ij^iuals Magein^eli. War ^sql gut genütTt; Ton anderen 
BiefcslähiBT, niclits bekannt, (ring dann nacb Hause. 

Am 18. XLO(J Aussäge tom YaUt: Ref. gesund; Mutter ge- 
sund. Mutterbruder ist ein Idiot. 9 UeschwiB^er; l Sch'w'eatej:' 
auel eiffAS ficLTvetiaiiti^;^ die anderer gesund. Gestillt. Ala Xind 
gute ItÖrper liehe und ^eisti^e EntwicUuir:g Keine Kinderkrank- 
LeiteEu In der Schule sehr gut pelernt. Mit 13 Jähren in Dienst 
naah St Dort etwa drei Jahre. Yon dort ans in München 
in Dienst, War immer längere .2cit in ßtcllungcn. die Herrschaf t^E 
varen immer aufrieden, m hfitte gute Zeugnisse, War :n letzterer 
JZcit 2 Sinai im Krunkcnba^g, Keime öüburt. Seit etwa 9 Jah- 
i«iv ein YerhältniB. Mit IG — 17 Jahren war sie kränk; wat in 
Regen ab urg, Wai* achwermütig; tagte, daß sia ein Kopf leiden 
habe ; immer Kopfffeh hat äe mn jeher. Es fyeue sie nichts 
mch?, daa Liebste wÄrü ihr au atcrbcn. Wollte aber aaeh nicht 
zu Hause hteiberi, iFohin Bie von E. aug Rekoomen israr, weil 
bereite aebon g&ung Geschwister zu Eauae seien, wenn sie da 
auch noch zu Hanse bleibe . , . Gin^ dann wieder in Dienat nach 
M'ünchön. Klagte über Midigkeit, Sah eehr blftß aus, hatte 
Bleie hsn cht, hat an Gericht verloren, War ?Gn jeher leicht er* 
leghar; gab ihren VerdifiUäjt leicht aus, apsurte nicht, bei Von\'ürfer 

leicht erregt Von Ohnaiachten und Anfällen mcMs bekannt. Ihre 
Lflure war immer we<?heelTid; war auch sonst öftere fersiimnit 
und weinte. Wie lange die damalige YerstimmuBg gedauert hat, 
ist nicht bekannt. Vcn Diebstählen damds nichts bekannt pe- 
worden. Ref. hat sie z nietat im Mai 1^06 gesehen, Im Oktober 
19D5 war nichts an ihr 2u beaierken. Schrieb ihrem Vater zum 
Namenstag im Dezemher und zum neuen Jahr gegsn ihre Gewolm* 
heit nicht. Im Mai 1906 tiei dem Ref. nichts auf. Dann war Pat, 
jiäiiL Häuiü« ijii OkLuher 1906 fast vier Wui^heu, Daiuahi kaiueii 
öfters di^ Get>d,'5,Tnr:en und fragten si*?» ans. TC^i.m nn.rh Hanse, um 
aicb -von deui BtustltJidea zu eibolen. Sagte, sie hal>e die Stelle 
wfigfir den s/ihlee)itftn Fjrsspns verlataftu. Er war nichts RRSnuderea 
au ihr au lieifiürkeii. Sie ka.ui Ref. kiiidisuh \or, Ek wuidö ihr 
Tom Ref. Torgehalten, daG aift gestohlen habe, Sie fnhr dann so- 
fort Teg, Weinte behu Besucli des Tater&. Heute sprach ?iie 
nichts. 

AkteQ&iutiZn^. 
1. Anaeigfl der Sfihii tsi mann ach afr vom 1^. XTF, tlü. FL war vom 
17. X, 05— 20, XI, (JÜ bei E, bedi aastet, Nach Streit am 10. XI. 



Uriginafram 
UNIViHilllfÜKHiLAbÜ 



— 33 — 

veigerte eicli FL, noch ^eitei den Dierisit au veraehen. läef oTitie 
Kündigung f>rt. E. fand in den Effeltten der FL 4 Paar brenne 
Strümpfe; 1 Korsett;^ IS Mk. FI. gab den DietaEtahl zu. 

2. Au^eig« ütr ScLutauiauuscbaft vom 21. YL OO. FI. viül vom 
1. yir, ft3— 15. V. 06 bpi Ti in Dienaf. Soll dort RGloffpl, Kinder 
strumpf a, Wiiiterhutgarnitur. Knabenpelskragen, Krawatte niiadel im 
Werte von Q5 M>. entward^t. liftben, Hatte eir. wsißes Kleid der 
Prau B. au elutjui Bä^lle au^eiGO^eu. 

3. Anzcig* der Sc^btitzmannscbjift vom 1. VIL 06. FL war vom 
18, V— 2(^.YI. 05 bei Tisefeldwebel Sehr, bedienstet. Entwendete 
PciTtcin.öTinflic mit Inhalt, ferner 1 Paar Hanaschulie und 1 D«nl- 
iQünae. Leugnete erst, gab dann zu, Y^rbrannte den Geldbeutel, 
fconütatc die How&eohulie, Die DenkmüTjee hatte sie angctlicli tcf- 
lore n, Wert = 18 Mk. Seh öffenger,- S i t kuh g am 2. X. ( I ti, Angeklagte 
PI, nißlit erschienen, -war nicht gclaicn. 

4. AnKeig* a^T Srhnt:7Tiriflnnfif^bfi.ft vom 1,X. ü6. Fl. war vom 
1. IX.— 14. IX, 06 a-uBLilftweis« im HottiL K. aU Zimmermädchen 
beBcliiftigt Entwendete doft d^ni Zimm^rnikdchen H, sin goMon«9 
Arinbarid, Riiisj, DaiueJiglacwlaiidüchulje iui Wort« Tyn 24 Mk. Fl. 

Anklageschrift; Fl, La-, in 4 Fällen Diebstahl begangen. 25. X, 06. 

5. Anacii^ü dcrSi^hii'zmimnschafb vom 10.JX.r'&, Hausdiener B. 
in üotal K. wnide am 9. oder ID. IX. 06 aus deot Zimmer ein golde- 
ner Bing gestohlen, Unaicber, ob Fl. der Tiäter oder nicht. 

6. Anzeige der Sohutamannacbaft vom 1 9, IX. 0^. Türsteter IC, 
(Hotel K.) aiidL, wurden graun LytJtfuuiiiliängkra^en in der Zeit vom 
i'l — 1&. 7X, ilß gesitohlftn. Nicht erwi-ssen 

7. Schutz mannanzeige \oin 19. IX. 06. IngeEieur b. ana Leipzig 
(Hotel K.), wurde oin seidener £,egcn3chiriu. und Knopfs cbnte ge- 
stohlen am 13.1X06. Die SchuLe wurden bei FL gefunden, der 
Sthinn nicht. Geatebt erater^n Diebstalil au. 

ö. Sehutzmann an zeige vom 19. IX, 06, J?rl AnraD., Besitzers- 
1>Dchicr Job Hotci K,| wurden am 12. IX. OS ein Paar schwarze 
Handachiilie gestohlen. iPl. gesteht zu. 

9. Stthutam^nnanzeige vom 9, X. 06. ZimmerinäJohea L. iiti 
Hotel K. fehlen Kleifiiing&stücke im Werte toh 25 Alk.; die tregen- 
stände ■wurdeTi während der Dieristaeit der PI, im Ilptel gesteh len. 
Die G-Gganstände 'wurden bei Fi. gefunden. 

10. Meldung vom ^.X. OS. Bei PI wurden 2 Sanitatalose ge- 
funden. Jj'l. gibt 2u, dieselben ihrer Di^natfrau, der Lohndieners- 
ehefrau G.f ^tnommen und im Gebetbuch verTahrt zu haben. 

<i}rQe, Tilt)c;g«qltät9l«hTe. 3 



Origiralfncm 
UNr/hHillYUHHILfttü 



— ;u — 

Haftbefebl Toia 27. X (ifi. 

Fl. ^vect Seite ibre Dienststellen und Wohnungen fortgesetzt^ 
erscheint flunlitverdäcbtif^. Ba*. am 27. VIII. 05 in H, &ia Paar 
Handschuhe iin Wert von i) !Mlc. gestohlen. 

Gutachtenr 
An 

den Ilerin Amtsan'nalt am k. Amtsgericht München 1. 

mit folgentier frutacitlichen Äulierun^^ 

n., die üett 23. X, 00 in der Klinjk in B«hfindlung stehtj leidet 
an einer ti ef ff eb enden krankhaften Gemüts Verstimmung. In 
dieser Verfassung hat sie iint«(r dem Binänsse voty Z^angsvor- 
ssLeHiingKu ditj iu J^n Akten angerübrten DifebstäLl« Legau^'eu. 
Fl. ist geisteskrank; nach unserer Ansicht liegt der Tatbeatand 
dcö § j1 R,Str.&,B, Tor. i^iö ist infolge ihres kmr. Fünft an Geistes- 
zustandes aurzeit nicht imstande, voj; Oericbt zu erscheinen. 

gez. Kraepelin. — 

Die Krankcngeacbichtc dieses ungemein instruktiven Pallcs iat 
leider ganz fragmentarisch, ■öenn zunächst einmal durfte ich die 
FrgpliniRse <lef Psycho ftna.ljse ni.ir zum geringsten Tftilfi nieder- 
scbreibftn, ^a ich ß ernst hefiirchten muGte, die Pat. aus der Stimmung 
KU. bringen, und ireiterhin Tvnrde die p eycho an alrtische Untersuchung 
übörhanptaus äußeren Gründen unvermittelt abgebrochen. So habe 
ii.'h itur libtjr iiint;n Bruchteil des £raDkh^itübildt^ü «inen direkten 
und Tollkominenen Anfs&tkß erlangt — und diaeen Teil wül ich 
:!tinä<!lij^t einmal gesondert besprechen, ohna ZuEammenli&ng mit 
<ier Totalität der paihologl sehen Entwicklung, da er für sich allein 
ein abgeschlcjs5en*s Ganze bildet. ReMlns durchforsctt ist das 
Symptom <\^r KleptomAniö, das hier in kla^aischer Form zutage 
Hat: der Trieb zum Stehlen als typischer Zvang&impuls 

Gerade in diesetn Symptom und seiner Genese irird jenes 
lloment v erstand licL, Äuf das ich am ESingang dieser Aiheit ver- 
wiesen hfl.be und in dem mir die eigentJich« DenknotwendiRkeit 
der Fr^ud'sijhön Lehre in nuce umfaßt zu sein scheint: die Kaufift- 
liLRL der priinareii palhülogiatihen Inhalte» Wü tine pathu- 
lfig:istlie Überbeweituue in solcher Intensität, mit solcher Prä- 
aifiion auf einen psychischen Inhalt cingcgronat ist — da wird 
es ToM niemandem möglich stheinen^ daß dieses Phänomen in 
lückenloser Kausalität auf irgendwelche Ri gen schuften liss ps5y- 
chischen Organa als äolch^ni, auf «ineDiapoaition, au: eine formale 
Störung aurückführbar T^äre. Dagegen zeigt der beschriebene Fall 
eine wirklich befriedigende Kausalität im der Geneise des in halt- 



Dig.lizedbj' ^..OOglC JNIVERS IT YOF CHICAGO 



— 35 — 

liehen Symptoms aus eioer un^weckmäi^igeti Direktive der 
inbaligBsta.lt enden Funktion er, — 

Wir v«raLelnjii di« Ghiiitjsy di;* Symptumti, subiilil wir — im 
Sinne dftr Krankengeschichte — den sich entwickeirden Ideen 
folgen — und dabei immer daran feattaiten, daß „Ideen'' für uns 
nur daß Zeichen sind für materielle Entwicklung im lebenden 
Orgme! — 

Die Krankengeschichte Eeigt, daß ^ich da^ sexuelle Let>en der 
Pai unter aebr wenig günstigen Vethültnisseti ftntwietftlt hat. 
£^aaücket eitimal bestand — vom Va;er her — die nachdrückliche 
Suggestion einer schroff verneinenden ürnndaDachanung. i>Emit 
epater dfl,3 Verbal 1x119; m welchem Üb wsLcbgerufens Sesusilitit duicli 
den Defekt des Mann es — eine offenliar psych oj^ene Impotenz — 
in B:ets befrifldignngslitser Frregnng vfrlief. Sa Tfliißtc* gioh 
das Seeknieben dev Fat. mit liallilje^ufit^n oder unbewußten 
aem eilen Wünschen Mlen, di* — nach ihrer per&önlicliei Auf- 
faasungsTTftisc ■ ■ — für öic den Charöktcr des Wvmeclica besitzen 
mußten, etwas Terbotenes au ttn — etwas Yerbotenes 
beimlich lu tun, — • Je stärkei* der Drnck der Verneinung' 
gerade dem söiu^llen Cba,rultLer dei neuen Wünacho eiitgt^^i^uLräit^ 
deatö mehr mußte gerade das kasuelle Moment aus dem Be- 
TTuGtsein liinau^gedr^iigt werden — desto mehr blieb im Ee- 
wnUteein aUein der nicht- Ecsuelle Beetandteil der Wünsche 
aurücli: der Wunfick, ^ et was Terboteiiee heimlich zu tun**. 
Für diese Formulierung aber muUte sich nun ein anderer Inhalt 
*rge)»en — ein nicht- sexueller Inhalt um di<*fiftn Eupräzisiftrfin, 
trug noch ein ganz bestimmtes psjcbiacbes Trauma bei; jenes Er- 
lebnis im Beichtstuhl *lii die Hand nehmen*' — gerade 
die?ä& Motiv mii£te an Bich dtiri^h ii^ Frage des GeiBttichen ge- 
radezu zum Zentrum der sexuellen Gedanken und Wünsche werden 
— dazu QßtiLrlieh noch durch Jeu^ Momenh der Impotenz, Wurde 
nun wieder der öexuelle Oli&rakter aus dera Bewußtsein liiiiaus- 
^ed rängt, ao blieb ds Inhalt für den Wunsch geradezu nur das 
Motiv: ,Etwais Verbotcncg hetiulich nehmen," — Dieses 
Motiv aber ist dem Sexuellen nur noch mit einer einziR:eTi Be- 
grilfeT^rbindung g^imeinsam; mit d«m Metiv de» Stehlen 9. 
Charalttüriatiticberweiöe hat PtiL füst iins:iähni!^l(jE^ den Ausdruck 
„Stelilsn" durch diese — verknüpfende — Wortknnihination er- 
aetzt: „Etwa& Yerbotenee heimlich nehmen!'' Sie hat ihr 
inneres Erleben jei der Au&fübrung ihrer Diebstähla, sowie 
im Fall einer äuÜeren Stöi'uug u&w. ^äli)&t xmmor eo bc- 
schriebenj daß es n^ch ihrer Mimik uad Gröstit geradeiu un- 

3» 



■ Vj'UU^H. UMVERSITV OF CHIWG3 



— 36 - 

Termaidlich war, das aeituelle Motiv ihr <laö dee „Stehlens' 
einzufletaen; sie hat die physiologiscbe Natur des TVunscbes 
dürcli iTjren stets wiederholten tredfenden Vergleich mit dem 
Geluljl de» Durstee selbst übRr jeden Zweifel hinan* Ter deut- 
licht. — Zuletzt ergibt sich noch die Bestätigung für die Iden- 
titikätif^n der beiden Motive aiia der Tatsaclie, daß der Kw&ngEtrieb 
dea Steblenö KuiiiTeil schon mit dem erste a sexuellen Sich- Ausleben 
nnf] mit dem trlauben an ihre Gravidität gfiacli^'unHeti ist, zum 
andejrn TeiJ aber ■ — entgegen ilirer Ang'abe! — mit der analjtieclien 
Aufhellung; der pajc bischen Genese, ' j — So stellt sich also die 
G^ne^e d^« kl«pt<»inani äcb^nSymptcius geschlossen dar: d«T ver- 
bindende Inhalt: ,^twn8 Yerbo.enes beirallcb nebmen", iht btiil^ii 
Motiven gemeinsam, dem sSTcuellen Wunsch und dem Trieb 
atua Stehlen; auf dieser verknüpfenden Asgüsiiitiün übertrügt eieh 
die affektive Energie vom bewußtseinsunfähigen sexuellen Motir 
auf d^iH Motiv des Stehlen h, iIas cliarakten'stisp.'ierweisp wenigfitensi 
als Gedai^kea eijiem vid geringeieii seelischen "Wide i^taud untei-- 
liegt. öabald sich diese Cberrtrapun^ inhaltlich einmal fe&t 
fi?:iert lat, bleibt nunmehr das Motiv desStehlene dyftnitiv dae 
„Svmbol" fllr j«d«n Wunach nach sexueller Befriedigung und 
übemimrat die ganae affektive Wertigkeit, die ganze im- 
pulsive Energie der S&aualität — wird unwidftrt^tehlicii 
gleich der Sexualität. Und diese deplacierte Affekthe* 
tonnng bedingt den pjitho logischen Zwangs im puls. — 

Ich glciub«:^ ^J''' ki>uuen nun döirdu^ehej, (lau zweite ütU^eiuei- 
nere Problem üu behandeln,, das ä^.r beschriebene Fah in sich trä^t 
Der Pall enthäilt nobcnciuonder dio eino-eutigen Kriterien 
von zwei scheinbar ganz getrennten Krankheitstypen: 
dfti Zwang^nenrnaft narh Frend und dea manisch-deprfiR- 
siven Irrefieiu» nach E^räepälin. — Worin sich diese beiden 
Typen änliern, das korrimt woM in der Krankengescbidite selbe i 
schon, zu geiiügaiKl deutlichem Ausdruck^); ProhUw aber ist das 
Typische in dei Baaiehung des ideogenen Momente zum 
manisch-depreßsiven Irresein. — 

Ich möchte sunäehet eine aeibatvera Ländlich aclefnend* 
I^otwendigkeit erwähnen: vor jeder speaieliea und allgemeinen 



1) Bie £u dii9e»i' Analyse bnt.te si« etet» ^e£,ii ßoi't : ,,Es itt ^ocK niclit gariz 

"Wäg — ich hahe dae (Jeßlal , ea viid "wieder kcinmtn "- ich bat' noch "ira* 
davon in lüir" ubw. ur-w, — 

'2) Und iioch dasn ^in diittee tTpisctiea M:>meiit, die ueurotiiche 

Angsl; im Sinne Ftend's — mit ihrer t^pisoter Atiologr.e, der fnistrenen 
Krreguag! 



_. ^,~__|_ O'iq nal frarr 

Dig,liz.e<J ty '^^OOglC UNIVERSITV OF CHICAGO 



,— 37 — 

differentiaHiagnostiflchen ÜberlegnTig aol]te die Frage nach 
dner ©Tent, Yorcinbarkcil der Momonte, die man zrx trcnnön 
vornimmt, biß ins letzte durclidacht und geprüft wordei sein. Diese 
Notwendigkeit vertieft sich noch gans besenders dann» T^enn die 
BcgTÜTc, die für die XTntcrachciduiig in Betracht kommen, aus ver- 
Eohiedenen Ids^nlirdEeti nnd Fonchungsrich Lungen ftaoimen. Ge^ 
rade dann entstehciTi aher Aufgn.1n(^ii, i/or denen Sic Erfahrung 
und di« BiuE der Erfahrung an eich gewonnenen EineicKten 
bereits versagen. Erfalinmgar€Eiiltate müsser., um miteinander 
VRrglichfiTi wftrHpn ^n könnftn, voTfirnt gftwisaftrmaRBRn auf einpTi 
gernftinsamen Nenner getracM worden sein. Und diese besondere 
Torarbeit ist immer die eigentliche Aufgabe der Theorie. Es ist die 
Beetimmurig der Tli&orie, Erfahrungen tö reinbar zu machen.^ 

Die JÜigänzungetendenz £ui' Differenüaldlagnostilt. liegt im 
Jfroblem der Kombination. Wir ü'üi aber ste^s daran gewöhnt 
g«w«sm die Kombination von Symptomen verschiedener ProTeniena 
flii einen seltenen Zu i'all, für tiue AuiJiiäLjii« icuLaltttjt, und ^wur 
trotzdem die Erfahrung immer und immer "wieder die überwiegende 
GswohnlichJceit solcher K-ombinationeu wä.hfgcbQinltcli macht. Es 
war elxan wirkhch denkscbwierig, ein reguläres ^usamiuen- 
treffen heteroffener üreachenreiheu annehmen za äOlJen, Hiei 
ist nun ei?x heumtiscbes Prinzip fiefunden, das eine Wandlung im 
wi HB« [i&chaftlicheji Denken kerbeirükiit^ii wird: ditiKujupEjjiHntiQnü- 
lehre Antone.^) 

Anton hat aus den Tätsaclieti der Klinik, des Experimentes, 
der Auatcjmie das dtuninierende Prinaip herausgefunden, daß die 
Natur besonder« im ZentralrerTensystem jedei Schädigung damit 
IjegG^et, dalt diö g&BundsTi Partien unt erEr Weiterung ihr f^e go- 
wÖhnlicheaPunktionstjpua den Ersatz der defekten Funktionen 
ihrerseitsiibernebmen, und daß einesolchaEumpenaation, dli, 
mehi minder weitgehende Lntcntmachiing zugleich eine Vermin- 
derung der gemeinaamenlteserveltr&ft* des NeTTensjfstBma 
bedeutet Damit iet nie Addierbarkeit aämtHrhfti' Stfirungfln 
ausgespTocben: jedt wie immer geartete Schädigung hat die 
Tendenz, neben ihren ei»enen direkten iSjuiptomen aucb 
noch alle achon liestflhRndftn laT.pn^.pn Symptome frei zu 
ninch^n, So wej;den z. B. die latent ge"ffOxdenen Symptome eines 
Himherdes, einer hereditären Anomalie, eines psychischen Traumae 
im RaiiapbKuatand frei.') So werden die latenten Anlagen 

1) MouatiEiolir. f Pfljdinl und Nfliirnl. 1^)04. 

S) Exp«riiü enteil iia<:h'w«ial]ar bei bouLp^agd^t^tn imer^braJen Eofakt aanih 
Oporaiion! 



^ . i^ ^n^lyy Oriqinal from 

Dig.lizedbj''^.OOglC UNIVERSfrVOF CHICAGO 



- 33 — 

■i-i 

tiijduyeijer KrariK Lisi teil (iuicli ideogen b«dingi« Ubeil&stung 
der aerftlirnleTi Sp^Tunkrä.ft.ft frei, rnii^ lat.RTil; gRwordeTiP idfto- 
j^eue Störuiigeu durch den Ausbruch endogener Utmväl Zun- 
gen des zerebralen Griei(iligewkhts. 

Im Sinne der Anton scaen KonipenEationslBlire erscbeint die 
Kombination von Symptomen auch heterogenstet Provenienz nicht 
mehr als Au^nabme oder Zufall; sie wird zur (rrundlitge eiuei- 
den realen klinischen Eräciieinmigsformen entapre eilenden Voraus - 
tsetzmig: .Ted« wiii imiut^r j^fcarLeLe 3i:hUdigui]g VBr^riJJierlj 
*iie Wahrscheinlichkeit der Erkrankung an allen wie 
Immer gearteten j^ndeien Symptomenkomp Lesen. — 

Zell glaub«:, dieses Moment ist das grundlegende Erklärungs- 
pritiaif) für die typi&chen Koiubinationeti des ideogenen 
Metliarismua rait den^ToßeTiKrankheitse-nlieitsTiKriiepeliii*;, 
und zwar besonders ans^esprochen rDit dem. manisch-depressiven 
TrrflRftin, 1) — 

Die KoTizeptioa des manisub-depressiven Irreseins im 
RiriTie Tf ra.Rppli na ^- ^ftjpniibpr der pngRTPT FasRimg Um ?.irkii- 
IfLen Iiicaeirtfti — ist ein überaus frucbtlarei" Boden auch für die Fro- 
bLgmshellnng de^r analytischen PaychiatriR. Esi isi abt^r rf>twßndig, 
liier die gewöhnliche Fiagerichtung dcT allgemein-psychiatilscben 
MethodeumÄukeliren, d, h, von der empimch gesicherten umfassen- 
den Fes tst^jllung aus auf die *in seinen Teil ursaclen »u. schließen. 

Ich meine so: die J^raepelinsche Konzeption bedeutet die Eest- 
sttillun^', diil] £Llle l^runkbi^itüfurmi^ii. di^j d^u zirkulärc^iL M^ha- 
niRiiDiTs t\^r SiiriTniin^RSf.bwfl.nkuiig entbaitfün, ßicli dnirnli Terla.iif 
und Ausgang al^ eine nosologische Ei nb ei t erweisen, unabhängig 
dairon, welcbp antiflren Sympt^m^ aiifler den ^irkulärHU 
noch vorhanden sein mögen. Mit diesei" Feststellung ge'rriiineu 
wir eine vertisfte Einsicht in die wichtigste Teilursache 
eines jeden Zu8 tandsbildes, von dem wir wiesen, daß ea dem 
inaTiisch-depres9i\en Irresein zugebort. Dieser h;ine Mecha- 
niäjuug, dvircb wcl<;bcii daa Typische der g[ujz<>n großen Krürdi- 
heitseirheit bedirija:' vrird — dieser Eine Mechanismus muß allen 
Yorko nunenden Zustan(Jsb)läern des maniscb-depreesivea Irreeeina 
gemei^igana söin. Mit riieaer Binsiclit konzentriert sich das 
Problem der Analyse solcher 2uätär,dsbilder- Wir komuien au. 
einer klareren Fragestellung: welche Mechanismen bedingen die 



1> über die MoogenitSit- in dci" Deiaenbis praecoK gibt die eoeben er- 
eelii^iieaft Arbeit von C Jnng^üurghüisü AuischliJage von unatteehbarer 
Wichtigtpit. — 



Uriginafram 
UNIViHillVÜKHiLAbÜ 



- 39 - 

Y«rechiedonbait in den Er^chednuDgäfonu&n des mamGch-de- 
preBsiTen IrreselDS? 

Der El ine ^ämemsaitiE iirid entsclieideiide Gruudmechämsmus 
ist der slirkiiläre: er ändet seine reine tj'pisclie PiägULg iiu 
Itla&sisclieii Birkulä^e^ Irresein. Die reine ZirkuläipsychüaB uni- 
foßt nur citLcu boatimniteii Teil der PüIIg von maniecL-dcpreaaiv^nt 
Irresein 5 in allen ancieren J*ällen müssen moi^h andere Teilursacben 
däflukoiUMaii, durch, welche das And eis sein zu&tAnde Icomnat. 
Eb sind alBü KombinatioDen des zirkRlären Mechanismus 
Ynit JiTi leeren, diir^h wfhlnhft das Rild ^p.r rmiifiTi ^irlriitärpsyeltoPie 
veräuderi wird — - Die Frage uacli diesen anderen Mechanis- 
men gewinnt eiren S:üUpiinkt, seitdem wir äurcJi die Konzeption 
der Kraüpclidschcn Krtmkhdtscinkcit in einer gansrcn Ecihc ver- 
schied eaater ^ustandsbllder die grundlegende Mitbeteiligiing des 
zirkuliren Meckaniamus zur gesicherten Yoraussetzung nehmen 
dürfe 11. — 

Der zirkuläre Mechanismus an sich ist nun schon nicht raehr 

imstande, di« manisch-depr^ssiTe:! Mi eohzuätändti herbeisu fuhren. 
Die Triaden der maniachen und der depressiven Elementareym' 
ptome sind sicher keine Zufa]lBgruppieruDgen, ^ondexn notwendiger 
geschlossener Ausdruck eiDheitlicher Grundlagen. Ein Aus- 
einanderfallen dieser ZiiflammftngflhHrigkeit ist nnvnratellhar, so- 
lange der ganae pBj'cJische FunktionekoMpl^x als ge- 
3ChlüBBene Einheit durch den krankhaften MechaniämuB 
gestiEDiut wird, Die p um de sc Komhini»tion dei Elementar- 
symptome kann nurdanr. zustande kommen, wenn die Geschlossen- 
heit der funktionellen Totalität als solche gelöst ist — und 
'das uebisL dan Hiuuukumjaeu h hü un derer, im rüiil i&irkulärän 
Typns nicht enthaltener Mechanismen rorauä. Die manisch-de- 
presaiven Misahzustände berahen sohon auf Kombination d>:=.a 
jifem einsam an zirkulären Grund mechanismus mit irgend Vielehen 
anderen Meohsinismen TOn anderer Provenienz. — 

Für jede Art von typischer Kombination jibt nur die Kom- 
pensation slehra intens ftine greifbare Basis. Der zirkuläre 
Me::kaniMtius soTohl wie die komlfiuierenden beanspruchen 
die Kompensationstätigkeit des Gesamtgelairnee und damit 
■d*n Verbraach einer Quantität gemeinsaniftrSeserT €kräft& Da- 
bei wird in der Mehrzahl der Fälle jeder öinzelne Mschanisiniis 
*llein latent gematht. Wi^d ab«ir die gameinsamfi I^RSPTvekr^ft 
an serebraler Energie durch vine Sumii>atIoii von pathologischen 
üechaniajnen heterogenster ProTenienz in ihrer Gesamtheit ver- 
braneht, dann werden die alten und nenca Mechaniemcn zugleich 



Conolf Original frcm 



— 40 - 

manifest Dann tritt die PsTchoae aJs eine Modifi]iation der 
zirkulären, d.h. als eine liomlsinierte in Erstheiuun*. — 

Soweit icti sehe, sind die modisiterenden Kräfte beim manisch- 
depressiv4in Irresein in praxi ausscbließlicb ideogener Natur, *) 
Wir haben aiäo praktisch mit dar AddieruDg ideogerier 
1\fsr,Kani?meTi zinii ^irkiilä.rftn in titn. Ich giaube, daß eich 
diese Addierung im gießen und gav.^en in iwei hauptiJÜchUehmi 
Typen voUzieTit: 

1. Der V?iibraucli nervöser Heeerveträf te durch eine 
ideo^ene Srkrankunff macht den latenten zirkulären Me- 
cb^tniemma frei — sowohl für den AuEliriicli der Sr&nklieit ina 
ganzen als auch einer einzelnen Periode. — 

2. Der EMidog&ne Ausbruch einer lirkulären Partode ^nacht 
latent gewordene ideogene Symptome frei — lesonders im 
Sinn ftinftr Anfhphnn^ hpRt.immt.Rr tppsTiiRllftrKnmpi'nRatioTiftn, — 

Der zirkuläre Methai^isums ar. sich ist gewiC etTras* allgejiiein 
Fräl'ormieries; er Bteht offenbai in einer engen Ueziehung zum 
Tj'piiS der Anpösaunggrcaktion. '^ Er licdoutct gewiss cnaaüin 
eine dauernde Fijderunff ihrer typiscbeEi Phasen: Heninmn^ 
mit Künaentra + ion nnd vitale Aufhöhung mit Beschleu- 
nigung, Es iöt durc:h allgemeiö-pbysiologisphe Pritiaipien 
gleicb&am Tor gezeichnet, daß der Übergang aua der Depressioii 
S5U-r Uorm über einen Zustand der Lust mit ihren mge- 
Lörigen meclanistiecien Verätiderutigen hindurclifiihren 
muß. Der allgemein- biologischen Präfortnierungf parallel ent- 
sprechen auch introspektiv- psychologische Vor^angsreihen dem- 
selben GrijndmecbanisiQUBi Ich erinnere üer an die tjpieclie Stim- 
mungsreihe beim hysterischen Eauäch: verhaltere depressiFe 
Erregung, deren Anwachsen der Re^gd nach £uletEt deri a.u9lö9er.d&D 
Alkuhu l^eji uti bmb^fi Tu iirl; „Abifjä^'ier«!!' dtr aiigeälauleii Belegung 
in der m otrtri seh e n rgie d er toxi s chftn HemmuB gslo si gkeit ; E r 1 e i c h - 
tejun^Bgefühl ala Reaktion auf dasDurckbrecbeu der inneren Span- 
nung, mit expansiv'euphcriBcherStimmungaäuU^rnng, Hier 
vird der typische Stimmungeweciisel ak eine notwendige Kon eoqueTig 
der psychokißischen Mecbanik empfiinden — und dennoch scheint 
fts mir gerade hier besonders deutlich au werden, wie uubeinedigend 
früh die Knus all tätBreilien enden, die eine lediglich inLruajjekLiv 
psychnlngiscbe Bfitraeibtiing 7ti iiberbliclten bilft Warum be- 
deutet ein „Erleiditerungsgefühl" daa Auftreten einei bestimmten 

1) Diß die echgenannteü „de generativen" Enge in Wirtlishkdt Kom- 
plexaymp toiLL6 ainä., viiri einward^fim em>^tlLi^ liei Jung, 1. c* 

2) S. ohcn! 



r^i"\i^nli? Oricinalfrom 

■V^UUglL LNI'/ERSrV^F CHICAGO 



— 41 — 

Kategorie TOn psjchiBlihen Punktionen? Es kömmi mir Tör, als 
£ei noch immer mehr damit gesa^, wenn wir einen sol(;hen S ti Li- 
mit Dg^ um a[ihwuu^ als ^ma^liall den allgemeia bic^l«giachen 
BinndpiiD^ips «rklaiex^i, das wie deu Reaktionen auf auBer- 
ordentliche Heize zu unterlegen yersucht haben. 

Ich glaube, dei zirkulär« MechauiBmus als priazipialle 
SukiGtüificin vnn H tjuimuii^ uud Deucblfjunigung mii& iXhfii'- 
haupt mit der tjpiac'nenPlia&enfolge der Anpaasungsreak- 
tionea ii3 engster Besieh ung et«h«ti, Der zirkulär» Mechanis- 
mua eTB<:heiDt dann a^ls ein biologlEch präformiertes 
Gjundprinzip, In dieser yai*a.u69etziiijg können wir uns nunmehr 
fÜT dio Bosiicbungcn dos üirkulürcn Mcnhuni^muB zu pathologi- 
ectien Geschehnissen drei Möglichkeiten konstruieren: 

L Das zirkuläre Prinzip ist quaQtitativ gesteigert und 
bedeutet dadurch einö — angehöre nel — Diapoeition liir dae 
luaniech-depressive Irresein. 

2. Doji Kirktiläri^ Priniip iec qualitutiT mftriifiiiflrl;. Wir 
müsfi^n mit der Möglichkeit rechnen, da^Q es auch qualitative 
Anomalien geben könnte, die eine — angeborene — Disposition 
für das manifich-dftprt^sBiTe Irresflin hedeiitfin Tniißl^n: fttwa im 
Sinne einer Terlängörten Persistenz der tjpiac^hen Phasen, 
— In praxi ist die Uoterecbeidung anrzeit bel^ngioB; alle 
prtniiren ^.nom allen des zirkulären PritiEipa, die übftrbfliipt 
ale manisch* depresaiTea Irresein zum Ausdruck ^älan^en^ könn&lt 
notwendigerweise an Bich nur als reine Zirkulärpsychcse zu 
Geltung koiam«n. 

3. Der icjL'kulike SdecLtuiiciiituä IrÜL als noiiLale Keaktlun dm 
Oiganismnsanf anderweitige patholüg^iBchBYorgängE in Tätig- 
keit. Wir haben di^ed^JR^aktionaprinzip in seiner einfachsten ^crm al^ 
Stiminungsreaktion beim patliolugiBLiLeii Eaiisch bijhandelt 
Eine kompliciertere Wirkungaform desselben Prinzips ir. ilaiit] 
die Regulierung der StiiuniungGrea.ktioii auf dauernde £.eiae. 
die Zerlegung der Stimmungsreaktion in die typischen PfcaBen, tou 
denen jeder äinzelne Turnus mit dem Prinzip der Aupasauags- 
Toaktion im -wesentlich en übcrcinatialoit. Ab Ncuea aber kommt 
dazu, daß der zirkuläre Turnus sich uns aich selbst heraus 
stets TOB neuem wiederholt. — Die Stimmungareaktion auf 
dauernd leidrolle EewuCtaeinginhalte enthält die zirkuläre 
Periodizität andeutungsweise wohl bei jedem Menschen, in löck- 
ster Yfirrrillkoöimnuog aber bf^im Genialen, der sich mit 
meiner fanzj&n PexBoalichkeit) dem Leid üb erläßt , um «Ich dann 
wieder ganz darüber eihahen zu können, ind der die Freude noch 



Dig.lizedbj' ^..OOglC JNIVERS IT YOF CHICAGO 



-^ 4-2 ^ 

mit dem letitsti Eiaaatz zu gröliter Kraft und Fülle in die Höhe 
t.rpibt, bis ihn (ia.s ^ngpatante LriH mit, HinfininiH.] ton Tipuifirn iihfir-^ 
wältigt und ihn mit raächem Wechsel in iid gehemmte DepreäSLon 
z'jrUtkwirft. — Hier ist d:e zirJculäre l^Lasenreihe der Ausdruck: 
einer bioloffiät;b«üii HeftTction auf biologiscb« Vtrliältnisse. So- 
lange nur die Affelctkuniplext; bewuBtseiasvfäliig bl^itieii, Bt^lange 
bleLbL auch iie Rjelatiüu der Aflfektivität zum Inhalt im Bewußt- 
aöin erlialten, dio S 'immun gen bleiben in jüdcr PKaac psyüho- 
logiecb motivierb^r. Dies zieht eine ausnebmenil scharfe 
Grenze EwiscTiöri der Stimrrmtigürhyt.liTnik .ripR inhftTisiven itiner**!! 
Erlebens und dem manlscli-Jepressiven Irresein, Die Greiuse ist 
überschritten, sobald verdrängtes i>it bogen es Material an 
Stell ö d&r bowutitseinafähigen Inhalts tritt» Wönn unbewußte 
Momente die Stimmung und ihren Wechsel beherrscben, so geht 
flift lutTospftlitiv-iisyehologiscbe MotiTJerbirkeit der Aff^ktlagH 
verloren, und dann erscheinen die zirkulären Phaaen wie pri- 
märe StöriLn^en der Affektlaj^e — natürlich kombiniert mit 
den prinift.ren Symptomen der idaogeiien Erkrankung. Ea ist 
Litjr alaü lüohb das reaktive G^lterjdfv^^rdeii des aitkuläien Frlu^sipä, 
durch welches diese V^or^Ünge ins Pathologische g^rilckt vrerden, 
öondcrn der pathogsr. u Charakter dur auslosenden idco^cncn 
FÄktoreii. — Ich Imbe den Eindruck gewonnen, als ob gerade 
das g^^stind Angelegte JTerTftnsyatem Auf deprirrii wende idöo- 
gene Faktoren mit einer zum mindesten andeutungsweise he- 
niei'kharen maniscih-depressivenferiodizität reasriBren m ii lit e, 
— Hier ist iie einsige Stelle, wo die Grenzen des manis 'üb- depressiven 
Irreseins i'ließend werden und zvar g(?g&n ditj ideog^ntiu Neu- 
rogen: Lier wird das Prävalieren des zirkularerj Mechanismus r ei a 
quantitatiT auin entscheidenden diflTerential'di&gnoatiaoheti Kri' 
terium. — 

Wir können numuehr ssusammenfftaaead eine Reihe rerschie- 
deiiBter Mcgiichkeiten für das Zaetandekoramen der lua- 
nisck-däpr^Esiv^n Psiiodizität zusammenstellen r 

1. Die angeborene Anlag« etitbäb, eine Anomalie — Steige- 
rung oder Modiä2ierung? — desiirkulärenPrinzipa, das e n d o g b u 
zum Alisdruck komud: einfache zirkuläre Psychose. 

2. Die angeborene Anlaufe enthäE eine latente Disposition, 
d Ii. eine kompenaiertje Anomalie des zirkul^en Prinaips, diö 
erst durch Hinzutritt eines zweiten, die allgemeine Kompen- 
satiGnskrat't des Nervensystems eis chÖp Menden Prozesses 
luaaifest gemacht wird ^ ia piasi dareh den Hinzutritt von 



Oig nai fram 
UNI VERS ITV OF CHICAGO 



— 43 — 

ideofrenenMectanisinen: komplizierte Formen des manisch* 
depreesiven Ii-resaint. 

3, Der endogene Ämbruch der zirkulären Phasen verbraucht 
die allgemein^D kompensatorischen Kräfte uudmacht damit latuntfi 
idcögcnc Symptome frei; k diu pH zierte Porten dea maniscli- 
depresaiven Irreseins. 

4, Die nuatiiach-depreBSive Periodizität wird «iner primäv 
id^f^genfttL manifesten Brki'Ankun^ durcli eine normale ReakliOii 
deä gBEund anKeiefften Urfianismus autgeprägt: kompliaierte 
Formea dm manisch-depr&eei ven Irreseins. 

fiolten VIT am Gesagten fest, so iat der Begriff des manisch- 
^epTeasiven Irreseins eine Summe verachiedener Kombiriationen, 
in d^neii sich uMch das einzig Gerne in enmo, der airkulSrcMe- 
chanJsmLua in seiner Grenetik und Djnataik äelbet wieder gana 
Terfichieden repräsentifirL In ftinf.in Volle, fiihrt er nRlKat ans 
aicL allein heraua als ein konatitutioaell k jpertropbiaches 
Funktionfiprinzip zur endogeaen Erkrankung ~ im anderen Falle 
prägl, RT einftr id*og*n erworbenen, d k. tt^tst.^ versc'iiiedenen 
Frimärerkranku]!^ aIh ein Eiurmale» R^äkiiuubpriuaip de» 
NeTvensysteniB diemaniach-depiessive Khythmilc auf, Daiwiechen 
eteht dar «igentliche repräsentative Tjpua des manisch» 
df^prt^^ijivDD Irr IS SB inj: iln^j M^auiff^E^t werden einer lateuten 
Hypertrophie des zirkulären Mecbauismua durch das Hinzutreten 
idoogonor Erkiitnkunpproscaac. — 

Ich habe den Eindruck gewonnen, daß eine solche konstruk- 
tive Üherlegnng durch die Eifahrungfin am Matertal zum 
Bediirfi^is gemEickt -wird, sobald man einmal begonnen bat, bei 
den unendlich TT^chselTotleu Bildern dea manisch-depreasiTen Irre- 
seins Einf id«^o^«ne Me<?hanismen zu ächten. Verfolgt man diesen 
Faden, ho führt er zunä<eh;it einmal zu den buntesten Verschiedön- 
heiten der Fatbogeneae und Struktur und zum besonders über- 
r£ie<ihenden Erg^bni^, daß der zirkuläre Me)i:^ha,niBmu& selbst 
den gancen Spielraum von der Eolle eines primElr-patho* 
genen Faktors bis zur Bolle einer nor malen Reaktion auf 
ande^'d p£.thogäne Faktoren besetzt kült, und daß das 
überwiegende Gros der Fälle durch die Kombination von 
zwei total verschiedenen äti o Logisch Ein MoTnenteTi Kustiinde 
kommt — 

DaiDit aber steht man auck TOr einem jener in die Tiefe 
führenden ProWenae, fto welchen die Eeackäftigung mit den K!rae- 
peliusch«!! Kiaakheltseiuhelti^ii so laeikwürdlg reich macht: 
Worauf beruht es, daß alle jene ipechsel vollen, für symptomato- 



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„ 44 — 

logische un3 analytische Betrachtung eo durchaus verschiedenen 
2u3tandsbJlder dea maniach-depresBiven Irreeeins in ihrem Ver- 
lauf und Ausgang so viel gemeins&m Oharakteristiscbes 
baboTi, iuli üiß alle zusammon als eine klinische Einheit 
betraclitei, werden niüäsen? ^ 

Eb ist das "wieder jener Modus der Problernttellung, den wir 
schon filiher einmal besproclten bal)«ii, im Verwertung jener be- 
goiKieren Anregung, die wir von Kraepelin b^komiuen haban. 
Die ÄnfsttjUuiig einer klinischen Einheit bedeutet fttr die 
ünaLyti stielt! PfTftpfiltt.iTe die Ff niiRtatiRriing, dnß ftin« bi^HtitTLirite 
JSlenge ^on Terschiedenen Zustand sbild ein eine weseiiLHclie Teil' 
ur Bache gemeinsam haben muK, Das heißt in unserem Falle: 
Alle wie immer gearteten Paychos&n, an denen eichziTku- 
läre Stitiimiirjgerhytbmik bemerkbar macht, haben ein un- 
liekanntes ^loment gemeinBäm^ durch welolioe derspeai- 
fische "Verlauf und Aasgaag des maniscli-depressiven 
IrreBBins gesichert wird. — 

Wenn wir an allem Gesagten festh alten > so müssBn wir aagen: 
das utubelf Jiti«te gemeinsame Moment iat nicht id^t^ttisf^h 
mli dei EA^iüttfnu t^iiit^r Auinge leum sirku^üxtin Mecliani^mus — 
denn offenbar ist diei^ä Anlage eine allgemein binldgi^tü^ie und diR 
zirkuläire Hhythmik bei einer heBtimmtQn Kategorie von Finüen 
eine normale Reaktion! — eondein mit einem tiefer liegen- 
den Prinzip, von dem "wir durch die Staiuierung des manisch- 
depreEsiTen Irreseins als einer klinischen Einheit zwei spezißache 
iV^irliuogen kjeimec: daß ee d*ti zirkulären Reaktionstypus 
zuläßt und daß es den typischen Verlanf und Ausgang 
des manisch-depressiven Irreseins gara^n tiert. 

Hier mündet unsere Überlegung in das Dar.kel der biolo^schen 
GriiTidprobliiinft. — 

Aus 0,1 leu Er^eljiiisKeu der bijlu^iü^htiii furs^cliung tritt üb*;r- 
all und immer klarer das Prinzip herTor, daß das Optitnuni 
jeder regulativen Tätigkeit stets durch ein antagcmiEti- 
sches Kräftespiel von awei einander entgepen^erichteten 
TcnilcnE;5n gcwälirl eistet wird - man könnte aagen, ein 
Prinaip der biologischen Folaritä:. — Sind diese beiden anta- 
gDtiiHüschen Kräfte dauernd im bi<clcgischeii Gleich gewiciht, &o 
fnnklioniert das re^julierte Systeni intakt, Gewinnt die eine 
von den ar tagr>nistis<^hen Tendenzen aunelimend nnd 
sc^hließlich definitiv das Übergewicht, so muß dies einen 
progrftdifinten pn,tholo.jiscl!ftn Pro^.eß in it einem terminalen 
Defektaustand bedeuten. Und endlich ist nuch eine drltle 



Original fröm 
LNWtflMIYÜKHI(.AbÜ 



— 45 — 

Däuerform möglinh — Tonibergeli enile Störungen des Gleioh- 
gen'iclit& komm'en hier nicht in Betracht! — : die antagonisti- 
achan Kräfte sind in ihrem Grrößen Verhältnis iiicht ver- 
ünderti allein d«r Mechanismus itires IneiDänd«rgr«if^ns 
ist gestcrt; dann wird dua antagoDiatiache Gleicligevicht 
zwar m ganzen aufracht erhalten bleiben, aber nicht 
niftr al» TCantiTiiiität, soTi<lerii durch ein alternierendes 
Sichablösen von Pha&en, tti denen bald die eine nnd bald 
di& andere dei h«id«n antaffonistischen T^ndensen aum 
Ub**rgi*ifl(icLt ^eluu^l. Ein demrt ^euliJrLea Svateiu verfillt 
für imnaer der alternierenden Periodizität, behält aber 
ecino Immunitüt gegen Progreeeioti und Defekt, — 

Das dominierende System im pajchischen Leben s:nd die 
graßen JintÄgonishisfihpsTi MRcha.Tiiamen der RftanhlennigiiTig iird 
Hsiümung — de^Ja und NeiUj der Lust und des Leiden. 
Und so dominierend BCheiit die rejsnalierende Kraft dieses aifek- 
tiTen Sjsiöme, dsiÜ Golsmge nnr daa sknt&goDiatiBcb@ Glsicbgewiclit 
der Mechanismen der Lust nnd des Leides erhalten ist, 
solange überhaupt der psychische ürganismus in seiner Greaamt- 
teit Ol cht dauernd sein GleicbgewioTit verlieren kann. — 

Der sfirkuiare Mechanismus bedeutet in diesem Sinne die 
biologia'^he Ausdrucks form für jeder Vorgang, durch welchen daa 
luQiujiudHr^f reifen dar f^n^Gmi ajjtagoniHtiticlifjn Htf^Iutureii 
dauernd Te rändert wird, die MectaTiismen selbst abei in ihrem 
gegenseitigen Krnt^Tcrhöltnis intakt erhalten bleiben. Durch 
jede wie immer geartete Veränderung des antagoniatisch&n Inein- 
ftnd ergreife 118, d. h, de* kontiruierlif-ben regulativen ftleic^- 
geTfichts, BHüC immer wieder das sohfringende Gleicbgewictt dftr 
alternierenden PEriodizität geschaffen werden. — Ich glaube, 
daß «9 ReizquaUtäten gibt, bw detien eine «oIcLe Umatimmung 
des antagonistischen Ineinandeigieifens als eine s-weckmäßig 
prä formierte Reaktion des gesunden OrganismuE auf einen 
pathogenen Reiz zustande kommt — , d&ß aber bei einer Reibe von 
anderen ^Fällen dasselbe Moment des antagonistischen In- 
einander greifen s durcb eine angeborene Anonaalie primär 
Teiändert ist und daß endlich lu der weitaus überwiegwiden Mehr- 
zahl aller Fälle die kongenitale Anomalie erst beim Dazn^ 
komiuea einsr ideo^^aen ErkrankuDg durch Kou^umption der 
gemeinsamen kompensatorischen Enerpemenge manifeet ge- 
macht wird. — Allein so aebr auch allii diese genetiHclipn 
Mogliohkeiten im PrinEip TOneinander TretHChieden sind — der 
klinische Ausdruck dieser Verschiedenheit beschränkt sich 



_. ^,~_._|_ O'iq nal frarr 

Dig.liz.e<J ty '^^-OOglC UNIVERSITV OF CHICAGO 



— 41J — 

auf die ädeogene Kompcmente und ihr Vorhandensein oder Fehlen 
im Kraukbeitsbild. Der Zirkulare Mecharilsmus selbst ist 
immei' der gleiche — mit ihm aber auch die rotalität der 
Krankheit in ihrem Verlauf und Aus^anif. — 

leb glaube, man ksLnn es in diesem Simte auch am klai&ten 
präzisieren, inwiefern die Ätiologie dea man isch-depreBalveii Irre- 
seins als etwas EinheiLliches betrachtet werden kann, ^ Ich er- 
innere an die JDfLrstelJuTi* AUtK^imtji's, durclt die mit genialer 
Einfachheit eine grundlegeTide Unterscheidung festgesetzt worden 
ist: dis Symptom atologis che Üiistardshild ist toh derLo- 
kfiilisiLtion abhängig, der Verlauf und Ausgang Ton der 
Art das Krunkhtf itiSprü^eiiiitf ü. DIeü iüt füi' diu KräukheÜ!}- 
kategori«n, auf die üch AlKheimer bezieht, ohne weiteres ver- 
ständhcb; in unserem Falle mÜ!>sen wir noch einen Zusatz machen. 
Wir Tiabfiti es mit einBm toti jenen höiihstsitj enden und feinatfin 
ICrankheitstypen 2U tun, die ak Störungen der hächsten über- 
geordntsten Regulationapiinzipieü ziii' Öeltjng kämmen. In 
diesen Fällen aber muß Art und Verlauf und Ausgang T/or allem 
dadurch bestimmt sein, welcher Mechanismus gestört ist — 
denn diese Mechanismen sind nicht ein abhängiger Teil des 
zerebralen Geschehens, sondern die allen ein^Eelnen Mechanism*n 
übergeordneten entecheidenden Eegulatoren. In diesem 
Sinne wäre gewigsermaßen die Art des Krankheitspiozeaaes 
ibrerseitEi wieder abhängig von einer denkbar feinsten funk- 
tionellen Lokalisation, die ihrer klinischen Bedeutung nach der 
„Art des Prczessee*' im Sinne von AlzbeimeT ansu^thlieGen 
wnrti und nicht der räumliehcn Lokalisntion. Beiinmanisch- 
depressi\en Inusöiu wäiu der Aiigrlffti^ujikt der Yer- 
änderung daa Eegulationsprinaip, durch welches das In- 
einandergreifen der antaffonistiächen Mechanismen der 
Affelitivit.ät ge.TfgeAt ^'ird, Tni Sinne dieser funktionellen 
Lokalieation erBoheint daB manisch-depressire Irre&ein 
als eine kliiusche EiiiheiLi es i&t der tjpische und einsige 
Ausdruck des schwingenden Gleichgewichts im Antago- 
nismns der großen Mechanismen der Lust und des Leides* 
Das manisch-depressivelrresein ist also dadurch definiert, 
daß ein atypischer HegnlfLÜoiismechsinisniu^ die Führung 
der AffektiTität üheTtiimmt, und jswar nicht nur der einfachen, 
sondern auch — und das ist wesenUicb! — der durch unbe- 
wQÜtes pathögenes Material raitbestinimlen. Wo solches 
vorhanden ist, dort ergeben eich die kompli alerten Formen 
dea mani&fh-depiossiF&n Irreseins. ■ — 



,-■, . ^^ ^.T^oinl^ Original from 



— 47 — 

Zwischen dem ziitulärenMeclianisnius und den idflogftiifiTi 
Faktoren -wird jich in allen Pälkn eine gegenseitige Bin- 
Wirkung nach beatimiDten allgemeinen Prinaipien voHziehen, 
So weit icL sehe, lassen sick @inig« ktuptsäcliHclie Typen heraus- 
liüLt^u: 

l. Die von den ideogenen F&lstoren bestimmte Äff eltti vital t 
Tfw6 durci den airkuläTcn Mcchanisnin» in die entsprechenden 
periodischen Phasen zerlegt, 

3- T)i3 Einsieli5yTirx>tojTie der ideogenen Eikrankuag pase^^n 
»ich den periodischen Phasen an, so daß ei« abw«chaeilnd bald 
mebrin denYordergrund treten und haldwiedermehrTerdecktwerden, 
je nachdem ihr Affektgehalt d&x jeweils dominieienden zirkulären 
Stimmung- entspriclit. So T^erden z. B. ZTrangä^or Stellungen 
Yon deprimiererdem Inhalt, Beeinträcttiguugsideftn uaw. 
in den depresaiTcn Phaasn hervortreten, äjniboliä<?he ^Vuaacli- 
ErfüllungBL, z- B. Größenideen, in den, njanieftten. 

3, Gegenüber diesem selbstverständUclien und {^llgenL^inen Modi- 
fiEieriingen dCiT idiBu^ tut ji Syjii^ LuuiB durch den zirkulären 
ilechatiiemuB — den uuniit^elbareE Konsequenzen aus der biol o gi- 
aehan Bedeutung dess sirhulören Piinainft - alctt der ^icl kompli- 
Eiertere Typus einer Umpr^gung des airkulaTen Geschehens 
durch idengenf? PmiftHSR. Tf;h naltr» diAü^n TVpiis fiir dift Gnind- 
lage der inaniscb'depressiTeTi jjÜischznstäode''. *) 

Ich habe früher daran erinnert, daJi die Elementarsymptome 
der einzelnen Plaaen Ausdruck Tön zugrundeliegenden einhait- 
]i<;hti[] Ursachen sind. EmpirlBcIi aber ist die Tatsache feat' 
gestallt, daU sie sich eben trotzdßtü mischen lifinnen. So wmi 
ich Rehe, Scheinen mir diese Mi»chzu3^t;an[3e regelmäßig der Aus- 
druck einer neben dem z^rtulären Mechani&mus bestehenden psy- 
fthiac^hftr Spaltung zu sein. 

Ich niein« dMuiil, ea ninC üi^ uuvrläßliuht? Yoraussetauiig solcher 
Alischzuatände sein, daß abgespaltene psychische Komplexe 
be&teheii, die aich von der p&jcbisohcn Gc&«tmtfunktior. nnd ihren 
höchsten Regulationen ao ireit unabhängig gemacht haben, daß 
sie vom airkulärftn PbaHen'Wfrribsel nifiht mitgfltrcfff'Ti xp^rdön. 
Ist diea der Fall, so steht der ideogene Komplex der übriofen 
Psyche in ihrem jeweiligen manischen oder depiessiTen Funktiooä- 
t.ypns i^eicer^eits mit einem heterogenen funktionellen Verhalten 
gegenüber nnd Teibindert daa Zustandekommen einer einheit- 
lich ^Efeschlossenen Gesamt einst eilung, — Ich kann mir z, B. 



1) Vgl oben! 



_. ^,~_._|_ O'iq nal frarr 

Dig.liz.e<J ty '^^-OOglC UNIVERSITV OF CHICAGO 



— 4S — 

ausschließlicl durch die Henununsrs Wirkung eines isolierten, 
-von der PeriodiÄität der p&ycbi&cJien Wesaaitfunktion unabtängig 
gewordenen Xoniflcxcs das Zustundsbild cinor „gelicmmten. 
Manie" erMären, Es decklj sich aufs be&te mit allen Erffthnm^en 
über tjpiacJie Eompie3:'wirkiiTig, wenn wir in aolchen Fällen an- 
Tiebmen, daß etwa die Motilität vom Komplex aus gebemmt 
ist, die anderen Funktionelt aber cem aiiUulär&n Typii& folgen 
und ins manische Stadium eintretend) — In diesem Sicne ge- 
lingt besonders riift Konst.niktion dur rharatteristisfiben t ra.ii nu- 
ll iL TL- t;kuj«liäcb«itj Zustandsbildei" bei der ge1iemrat«n Manie. 
So weit ich sehe, ist die eknoiBcheStimmunpla»« die notivendige 
Erscheinungaforna einer ^«beniintei] Euphorie. 

In gleicher Art, durch BewuÜteeinsBpaltnng und Komples- 
wirbun*, scheint oine andeü-e Form der JlieohaustSnde er- 
klärbar zu TT erden. Ihren Typus hat Kraepelin so charak- 
terisiert: . „ Jn dem gewöhnlichen Bilde der D^pTeeBion kann 
die Denkhsmmung durch Ideenflueht ersetzt worden." — 
BetTSLcbiet man die affektiven Seelen zu stünde biolcgiech als 
Ausdruck einer Gesamte in Stellung auf beBtinmite Reaktions' 
nniJ P II rktion «kategor iftn — ds.nn ist. es nif^li t mehr jn^glicb, eine 
jiülchtj KLUJihJr.aL'ioii als tl^as prijuiir GegHbejiCis ku belracbieu — 
dann wird man zu der Annahme gesTningeu, dali hier eine Phaäe 
des ^irkalären Irreafiins durch ein hinzukommen des Drittes, 
d k. eben durch einen abgespaltenen Kcmplex Terändert 
'^'itd- Sowsii ick Bliche Snatärda resp. die rplftÜv hüilfigon An- 
deutungen solcher Zu^tä^nda beobachten konnte, sind mir gerade 
die Kom ploiSymptome sehr doiitli<;b ausgeprägt voTgekommeii, 
Es handelt aich um die InterfexBiiz einer depreasiven 
Phase mit jenem chflrakteriBti sehen Seelenzuätand, in d^m aich 
ein i/«rdräiigter Komplex durch iiiuert? üniuhe, duruh Jenes 
«igAntümliche GefühJ von (irelietztaftin und Siifiht n^cb irgRn^- 
einer Verflrderung, durch ein drängende« Suchenmügaen im 
eigenen Innern aur tJeltunf bringt. In solchen Fällen kann die 
depressive Denkhemmung durch den ideH>ge[i4n Denksw^ang 
mehr minder völlig verdeckt werden — genauer gesagt; durch 
das Su(;lienmtieeeii nach verdrängten Inhalten.^! Dabei 



1) Ich erwBibDjü, diU i'rits Hiirtmanä in »ein«n VorleanngBn luf die 
DiffareDK im Tempo der einzelnen FunkticnenHlB auf einen besonder j vichtigen 
pctf^iDgüu 030. Falltor biaauweiEioiii p^cgt, ^h h. also auf das Moment dt>r rclatiT-;!! 
!ßf;»[;]ilf?nni^ii^ U-iler HeiuiJuLf^^ einer Siuzelf unk lit^u, 

2) Vgl, (Jas BucaentEÜBStn eaUfüleoeiF J^amöa! Dazu F-end, Pajcho- 
patiiologie de« AlltagBlebcnB* 



_ ,'" . T . ürlcinatfram 



— 49 — 

kommt eine sehr charakteristische Eigenschaft; dieser Komplex:- 
wirkimg^n hesoniera zur Greltiingr Je mehr sict die äog, be- 
wußte ÄnfuiurliBrtiukiiiu Itiu Euiupluigebiet iiäli^rt, deeto mehr 
verstarb«!! sica naturgemäß die fipjunktivHn SpfirniTigsmo- 
mente' geht die BeTrußtseirtsfutiktion am Korapleigebiet TorüLer, 
dann werden die psychischen Inhalte der Xomplexspbäre ent- 
aprecheDd frei*]: ^nd ihre j etat zai Gel tang kommende Sekundäi- 
fuuktion nimmt jetzt ihren Ei nflMÜ auf das bewaläte Ueschelien, 
bewirkt GJ-cdankca und Einfalle ^ die lun ao frcmdei', umso selt- 
samer erscheinen, je weiter sich mittlerweile das tie wußte Grs- 
seheh«n vom Komplesgebiet äntfäirnt hat. — In diesem Siane 
scheinen mir die von Kraepelin beschri ebenen An^aberx der 
Kranken bedeutet T^erden zu müssen^ T,<äalj ihnen ioimeä^fort 
iiiasbeuliäft« DiiigB iu den Kijpf kämeQ, an die »ie nie- 
mals gedacht hätten". — Sowftiti ir:h sf>lchfin Angahen na^bgBlin 
koTint©j hat es sich stets iim solche Ein schieb iin gen, tim Unter- 
brechungen dea G^edankemaMaufs durch Schiebungen im Unbe- 
wußten getändelt— um Untexbrechungen, nveUli© die Kranken 
seibat zur Kl^ge veranlassen, ^daß aie ihre Ue danken 
gEir nicht festhalten lionnen", ') die ^ick äitiQT csacnticll vom 
Aberriereu der eij^entlichen Ideenflucht unterscheiden — 
voriiusgesetEt, daß i^it Idcenflacht im «ngeren Sinne meinen, 
als den einfachen Ausdruck einer in&uffiäienten Sekundär- 
funktion. Die vom Komplex bedingte TJn stetheit des. 
Gedankenabi aufs hat äußerlich einige weseuthche Erschei- 
TiiirgfifnmiftTi mit der Tdeenflnf^k t gftinfiinaa.m: difs Tlnföliigkeit^ 
Gedai^ken festsuli alten, das 31 chanf drängen von Gedanken l die 
Tiic}\t EUm Tbema geboren, der rasche Inhaltswechsei, der End- 
eäTekt der „ZerstTeutheit". All dies veranlaßt d«n Krauken 
selbät naturgemäß zu Schilderungen, di« meistens ebensogut einer 
wirklichen Iii^eiiäuehb entspret^hcn könnten. Ala THitcreobcidcn- 
des Kriterium kann vielleicht angenommen werden, daß die echte 
Ideenflucht als ein richtigem Ausf 9,11s aymptom subjektiv nicht 
als peinlich gafiillt^ daß über echte Ideen flucbt vielleicht tller' 
baupt nicht geklagt wird, — Je mehr eine solche Kftraplex- 
wirknng zur Geltung kutiiiut, dimiü mtjbr iiiu& aia den tj^piscben 
Gedankersblauf der reinen Depreasion durchkreuzen und ver- 
decken, 9o kann es durch In torfttTeaz Wirkung heterogener 
MonientG daau knmnüen, dali ein Eleraentaräjmptom der zirku- 
lären Pha^e durch ein anderes, einem S^fmptom der entgegen- 
gesetzten Phase ähnliches abgelöst zu werden scheint. 

1) itT&epelin, 1, c — Daaü aie tranttügecehichte s, obenl 



_ ,'" . T . . ürlcinatfram 



— 5ft — 

Die eigentlichen Mischzastände wäre^ in dieEem Sinne 
&\a IntcrfcrsascräcbcinnDgcn aufaulö^eii, die enat au3 einem 
Gegenaats zwischen der Gesamteinetellung isolierter 
fCcmnesia entstehen. Neben diesen Misctzuständen im eng^- 
r«ii Siiiiiti betileLl nun auch ui>uL eiui; »udi^re, genetisch 
einfacäera und nur m wesemtlich erveiterte^u Sinne als ,, Misch - 
KU&tü.nd" au beaeichaende Forw, die gich am einfachsten aus 
dsm airktilären Meclianismus seihst herleiten läßt — genauer 
gesagt, aus Hp,r RichhiingTi^hme d«r rfügulitiven Fnnlttiorien Jlt m 
zirkulären Mechamianius hm. Die Störung das Ineinander" 
greifens der antaponistischen Mechanismen — aus der sich 
weiterhin die zirkuläre Periodizität heraus differenziert! — muü 
unmittelbar ÄUQächsi; in einfachen, nicht in Danerperioden ge- 
iäcbiedenen, sondern aichf ortwährend voreinander drängenden 
Au 33C klären d«r Stimmaug in Ers^heiDunj treten — - ein 
Typus, der eine lange Keihe ^on Graden umfaßt, von ZastAnda- 
büdem der einfachen S timnungä-Unriibfl Hs zu den jch^er 
psychotischen Phasen, in denen manische und depies&i*e Zw 
stand&äußetungen einander derart regtllos, in derart kurzen 
Schlügen und tu^ Intens auch mit derart estreraer Atfektreiilitivität 
für äußere Beize sica drängen, dali in der Totalität wieder 
ftine Art vnn Miächzuständen gehi.det ivird, — Das v'arfsn prin- 
zipiell die Zustände, Jurch webte jedes manisch-depieesiTe Irre- 
sein sowohl als Gesamter krankung ah auch wieder in jeder 
einzelnen Phase von neuem hin durch ge^h«n mü £te , 1>ia ^ icli 
dar^mi di« S tilitii erunf^ au tjpiäch ij n Phastf n Tollaogen bat. 
Man findet diese Übergangsformen besonders bei den leictien 
und Jeiühteston Pillen — den Cyalothymioon uajch Willmßnna 
— f die 3 ch ff e TC r en mehr als Daa erformen für sich beateheni. — 
Teh glaube, fluGflr difsfr KineTi Form sind a.Hft Misfih7iiRf,ä.n<?ft durrh 
ideogene XQuiplikaton bedingt. 

Ideogen sind aiic nicht unmittelbar zirkulären Symptome im 
maniBch-depr^ßeiven Irresein. Es iat die ideogene Kom- 
plikation, die den geivaltigen Formenreichtum im Rahmen 
der großen Einheit schafft Und andere^raeits: je mehr man 
versucht, die tnanigcb dejpr^asiTen Zustandsbilder aU solche 
psycho- analytisch zu untersuchen, je mehr man in kompli- 
zierten und atypiachen ^nstftudabildeni die interferierenden 
Priuaipieii zu sclieideu und jedes an sich zu rekou!;truiifri>n 
trachtet, desto klarer erscheint dann hinter allen Erscheinungs- 
formen der zirkulÄrc Mechanismus als Aas gciuoinsamc, 
die lilinische Einheit schaffende GrandmotiT. — 



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